Tagebuch vom 1.2.2003 bis 28.2.2003 1.2.2003 Immer mehr Schnee und eine niesender Sokki
Na, meine
Braunviehgeschichte hat wohl niemand vom Hocker gerissen, nun, es macht
ja nix, Hauptsache, ich hab selbst Spass dran. Sogar Dagmar Berghoff
hat gestern im TV gesagt, Tagebücher schreibt man NUR für
sich selbst *hihi*.
Hier liegen schon 20 cm Schnee und es soll noch mehr Schnee geben, ich
bin gespannt, ob wir hier unsere hauseigenen Rekorde brechen. Und da
nicht rechtzeitig gestreut wurde (in Norddeutschland kommt der Schnee
immer SEHR überraschend *ironischguck*), sind die Strassen total
vereist und man tut gut daran, sich möglichst ohne Auto zu bewegen.
Ich sag immer: "Ich brauch kein Auto, ich kann ja reiten".
Das habe ich auch getan, den Pferden haben wir die Stollen wieder in
die Hufeisen gedreht und dann können sie super laufen - einen Gummiring
haben sie ja auch noch, damit der Schnee nicht am Eisen festklebt. So
ging es durch den Wald in Richtung Heide. Am schönsten ist es,
wenn man durch den jungfräulichen Schnee reiten kann auf Wegen,
wo noch keiner ging, ritt oder fuhr. Und der Wald ist totenstill, die
Bäume biegen sich unter der Last des Schnees und die Sonne bricht
sich zwischen den Zweigen. Herrlich! Ben war es bald zu anstrengend,
durch den tiefen Schnee zu hüpfen und er trabte die meiste Zeit
in unserer eigenen Pferdespur mit heraushängender Zunge hinter
uns her.
Sokki hat sich erkältet und niest hier in der Gegend rum, ich warte
aber erstmal ab, wie es sich entwickelt. Vielleicht ist es nur ein kurzfristiger
Anfall :-)
Und die Galloways? Die versammeln sich rund um ihre Silage und ab und
zu machen sie einen Spaziergang zum Stall, sieht immer aus wie eine
Prozession, alle gemächlich einer hinter dem anderen hertrottend.
So, das wars für jetzt - die Wanne ist voll!!!
6.2.2003 Gedanken an Februar 2002 - Ecmont kam zu uns
Ein winterlicher
Februar hat uns fest im Griff - mal Schnee, mal Sturm, mal Tauwetter,
mal Regen, mal Sonne beglückt uns mit täglich neuen wettermässigen
Überraschungen.
Am morgigen Freitag beginnen in Verden an der Aller die "niedersächsischen
Fleischrindertage" in der dortigen Niedersachsenhalle, ein Grossereignis
für jeden, der Fleischrinder züchtet und Mutterkuhhaltung
betreibt. Das erinnert mich an letztes Jahr, worüber ich Euch eine
Geschichte erzählen kann:
Am Anfang unserer Zucht hatten wir zur Deckperiode jeweils einen Bullen
ausgeliehen, nach einigen Jahren kauften wir "Walker vom Eichenhof",
unseren ersten eigenen Zuchtbullen, an den wir immer noch mit Wehmut
zurückdenken. Er war zahm wie ein Hündchen, liess sich von
jedem anfassen und ging mit uns überall da hin, wo wir ihn hinhaben
wollten. Wir mussten ihn nach einigen Jahren verkaufen (er lebt immer
noch), damit er nicht seine eigenen Töchter deckte - zwar kann
man in der Rinderzucht durchaus auch mal Inzucht betreiben, vor allem
wenn man ausschliesslich Fleischproduktion betreibt, aber züchterisch
ist es unerwünscht.
Dann kam "Taipan" zu uns, ein grosser Bulle mit kanadischem
Einschlag, der sich schon beim Kauf wild gebärdete, aber zu diesem
Zeitpunkt erst 14 Monate alt war und wir dachten, wir bekommen ihn genauso
zahm wie "Walker". Das war aber nicht so, er war zwar niemals
bösartig, aber immer distanziert und drohte, wenn man auf ihn zukam.
Er jagte meine Hunde von der Weide und ich traute mich nie, fremde Leute
mit auf die Weide zu nehmen. Er hat uns zwei Kälberjahrgänge
beschert und damit 8 Bullen - also zudem noch ein "Bullenmacher".
Ich finde es nicht richtig, einen Bullen zu verkaufen, der nicht handzahm
ist, also war klar, dass er vor der Deckperiode 2002 geschlachtet werden
sollte. Die Deckperiode sollte bei uns im Juni 2002 beginnen und die
Fleischrindertage in Verden waren wie immer im Februar. Also kein Grund,
sich mit einem Bullenkauf zu hetzen und insofern dachten wir nicht im
geringsten daran, einen Bullen dort zu kaufen.
Auf diesen Fleischrindertagen wird gekört, ausgestellt, bewertet
und versteigert, natürlich schaut man sich die Tiere im Stall an
und nimmt die, die man ersteigern möchte, in näheren Augenschein.
Für uns war es mehr eine Information: Was bietet der Markt? Wie
sind die Preise?
Als die Versteigerung begann, waren die ersten Bullen ruckzuck weg für
einige tausend Euro. Dann kam ein Bulle in den Ring, nicht sehr gross,
aber immerhin mit stolzen 130 Körpunkten, was reichlich viel ist.
Der Versteigerer sagte: "Mindestgebot 1500 Euro, wer bietet mehr?"
Keiner reagierte. Bei einer Versteigerung geht alles immer sehr flott
vonstatten und wenn sich keiner meldet, wird das Tier wieder rausgeführt
und das nächste kommt rein. Ich sass hinter meinem Mann, der neben
einem Züchterfreund sass. Ich sah nur, wie der Züchterfreund
meinem Mann in die Rippen stiess und zischte: "Mensch, heb die
Hand, da kannste nix verkehrt machen!" (womit er meinte, dass man
für einen Preis von 1500 EUR den Bullen auch schlachten kann, wenn
er die Erwartungen nicht erfüllt, denn dieses Geld bekommen wir
wieder raus fürs Fleisch). Dann sah ich nur noch, wie mein Mann
den Auktionskatalog in die Höhe hielt und der Auktionator auf uns
deutete und sagte: "Zuschlag dort hinten - nächstes Tier".
Das war vielleicht ein Hallo und Gelächter in unserer Ecke, das
kann ich Euch sagen!! Wir hatten weder Geld noch Anhänger dabei,
aber wozu hat man Züchterfreunde?
So kamen wir zu "Ecmont", der nun seit einem Jahr bei uns
ist und dessen ersten Kälberjahrgang wir ab März erwarten.
Er ist ein nettes Tier, distanziert, aber brav und wir sind gespannt,
ob er uns endlich auch mal wieder weibliche Kälber bringt!
Übermorgen werde ich meinem Mann die Hände festbinden, damit
er nicht wieder im Überschwang die Hand hebt :-)
9.2.2003 Verdener Kühlschranktage 2003
Die Fleischrindertage
in Verden waren interessant und für die meisten Beteiligten erfolgreich.
Es ist durchaus spannend, was wir dort schon für unterschiedliche
Jahre erlebt haben. Jahre, in denen in den Ställen gähnende
Leere war, wenige Teilnehmer die Preise unter sich verteilten und die
Auktion schleppend oder gar nicht vonstatten ging. Dann wieder Jahre,
in denen man kaum einen Platz fand und überall drangvolle Enge
herrschte. Die BSE- und MKS-Jahre waren sicher die frustrierendsten,
aber gestern merkte man deutlicher als in den vergangenen Jahren, es
geht wieder aufwärts und die Fleischrinderzüchter und Mutterkuhhalter
sehen positiv in die nächsten Jahre.
Mit einer Insidergeschichte will ich aber nicht langweilen, wir Züchter
werden in diversen Vereinszeitungen ohnehin alles genau nachlesen können,
und wenn meine Fotos sehenswert sind, schreibe ich nächste Woche
noch was auf www.gallowayzuechterstammtisch.de. Es waren (wie sollte
es anders sein?) Mitglieder unseres Stammtisches, welche die ersten
Preise für den besten Bullen und das beste Rind erhielten und das
teuerste Tier für 3.700 EURO bei der Versteigerung unter die Leute
brachten. Zwei gute Tiere zum Schnäppchenpreis haben sie auch noch
ersteigert.
Hier also ein ganz persönlicher Erfahrungsbericht...
Freitag nachmittag war die Bullenkörung. Wir haben uns auf den
Katalog verlassen, in dem zu lesen war, dass die Galloways am Ende dran
sind, das wäre so zwischen 16.00 und 17.00 Uhr gewesen. Als wir
dann ca. 15.30 Uhr ankamen, wurden andere Rassen gekört und die
Gallowaybullen waren schon vorbei, die Veranstalter hatten die Reihenfolge
einfach geändert. Naja, macht nichts, also gingen wir in den Stall,
wo wir diverse Züchterkollegen trafen und dort die Tiere begutachten
konnten. Im Stall war es kalt, das ist aber für die Robustrinderrassen
gut so. Schliesslich verbringen sie den Winter draussen und können
sich leicht erkälten, wenn es bei solchen Veranstaltungen in den
Ställen zu warm wäre.
Nachdem wir in den Ställen dann genug gefroren hatten, gingen wir
zum Hotel, um uns auf den Züchterabend vorzubereiten. Im Hotelzimmer
war nicht nur die Glühbirne kaputt, daher war es duster im Zimmer,
sondern es war auch ... kalt! Trotz Heizung und geschlossenem Fenster
verbrachte ich die Zeit bis zum Züchterabend unter der warmen Bettdecke.
Der Züchterabend findet alljährlich in der Auktionshalle statt,
sicher ein befremdliches Ambiente für Nicht-Tierhalter. Biertische
und -bänke stehen im Auktionsring in den Sägespänen,
ebenso der Tresen und das Büfett für ca. 400 Leute. Die Musik
thront (und dröhnt) über allen oben von den Rängen und
wenn man zur Toilette geht, muss man durch den Treibegang in den Stall
und von dort aus zum Klo, auf dem Weg dahin muss man aufpassen, dass
man nicht im Kuhmist ausrutscht. Zu später Stunde findet die "Verdener
Spätlese" statt, das ist eine Versteigerung von ausgewählten
Supertieren, ob für die mehr Geld als am nächsten, eigentlichen
Auktionstag gezahlt wird, weil alle mehr Bier intus haben, entzieht
sich meiner Kenntnis. (super Satzstellung, gell?) Was wollte ich eigentlich
sagen? Achja, beim Züchterabend war es ... KALT !!
Sicher kein Umfeld für ein Ballkleid, aber dass ich den Abend so
verbrachte, als wenn ich einen winterlichen Spaziergang machen würde,
nämlich in Daunenjacke und mit Schal, ist sicher auch nicht so
ganz in Ordnung. In dieser Halle gibt es natürlich schon eine Heizung,
aber bei Minusgraden schafft die es nicht, geordnete Temperaturen herzuzaubern.
Mag ja sein, dass ich verfroren bin, aber immerhin forderte dieser Abend
bereits ein Opfer, denn ein Züchterfreund, der an unserem Tisch
sass, verschwand mit Grippeanzeichen und wurde auch am nächsten
Tag nicht mehr gesichtet. Wer hat Herrn G. und Frau ML. aus G. gesehen???
Der nächtliche Spaziergang zurück zum Hotel war neblig und...
kalt. Die Nacht verbrachten wir bei geschlossenem Fenster, was sonst
nicht unsere Art ist. Am Morgen stellte ich fest, dass nicht nur die
Glühbirne, sondern auch der Föhn im Badezimmer kaputt war.
Nunja, schliesslich hatten wir einen Fleischrinderzüchtertagsonderpreis
für 87 EUR das Doppelzimmer, da kann man kein warmes Zimmer mit
Licht und Föhn erwarten.
Dann das Frühstück in der Nichtraucherabteilung des Hotels
- wie war es? Kalt! Denn diesen Nichtraucherfanatikern reicht es ja
nicht, dass keiner raucht, nein, sie müssen auch noch das Fenster
aufreissen!
Zurück zur Veranstaltung. Am Vormittag fand die sogenannte "Schau
der Besten" statt und am Nachmittag die Auktion. Wir setzten uns
im Zuschauerbereich unter einen Gasstrahler und bewegten uns den ganzen
Tag dort nicht mehr weg, damit wir den Platz behalten konnten. Endlich
konnte man mal die Jacke ausziehen am Nachmittag, kurz bevor wir nach
Hause fuhren. Nach einer nebligen Rückfahrt kamen wir zu Hause
an und wie war es da? Kalt! Weil wir nämlich die Heizung ausgedreht
hatten, als wir wegfuhren.
So, genug gejammert, heute ist es warm und gemütlich zu Hause und
das Einzige, was mir fehlt, ist Ben, den habe ich nämlich am Freitag
weggeben und seine Pensionsmutti will ihn heute abend erst zurückbringen.
Ist immer seltsam für mich, wenn er fehlt, da ich doch hier zu
Hause immer zwei Hunde und einen Kater um mich habe und wenn einer nicht
da ist, merke ich es deutlich.
11.2.2003 Rehe und Wildschweine
Komisch,
manchmal passiert die ganze Woche nix, was ich hier reinschreiben könnte
und dann wieder passiert ständig was, das ich Euch berichten kann.
Ausserdem wurde ich mehrfach betreffs meines letzten Eintrages gefragt,
ob ich mich denn in Verden WIRKLICH nicht erkältet habe, also hier
ein Lebenszeichen von mir, bin putzmunter!
Heute morgen wurden die Pferde geimpft, so ein Pferd ist ein richtiges
Euro-Grab übers Jahr gesehen, aber wat mutt, dat mutt. Nun werden
sie zwei Tage nicht geritten und ich hab Zeit für Euch, obwohl
draussen das schönste Wetter ist. Drum habe ich gerade einen Hundespaziergang
gemacht.
Erinnert Ihr Euch an die fünf Rehe, die hier dicht am Hause wohnten
und von denen mittlerweile zwei überfahren und eines geschossen
wurde? Man sollte also meinen, es seien nur noch zwei.... aber bei meinem
Spaziergang eben habe ich direkt hier neben dem Haus sechs (!) aufgescheucht
- ich dachte, ich habe einen Augenfehler. Die Hunde haben sich mittlerweile
so sehr an diese Rehe gewöhnt, dass sie ihnen nur müde hinterherlächelten
und brav bei mir blieben.
Auf dem Rückweg nehme ich bei Frost immer die Abkürzung über
einen brachliegenden Acker. Dabei stolperte ich heute über ein
gefrorenes, zuerst undefinierbares Körperteil. Ich stiess mit dem
Fuss dagegen und stellte fest, dass es ein halber Wildschweinkopf war
*bäääh* - was doch da so alles rumliegt! Schnell die
Hunde gerufen und weitergegangen, denn sonst wären die noch auf
die Idee gekommen, sich darin zu wälzen. Wieso da auf dem Acker
ein halber Kopf rumliegt, entzieht sich meiner Kenntnis, wenn der Jäger
ein Wildschwein schiesst, nimmt er es doch wohl mit?? Oder es ist eines
natürlichen Todes gestorben, soll ja auch mal vorkommen....
15.2.2003 Schlachttag
Gestern wurde
"Titus" geschlachtet und heute habe ich schon mal vorab das
Hundefutter eingetütet, ganz ohne BSE-Test. Warum? Weil Titus noch
keine 24 Monate alt war, sondern erst 23 Monate. Eigentlich zu jung
zum Schlachten - jedenfalls bei uns. Da wir aber das Problem haben,
dass wir nur männlichen Nachwuchs in den letzten beiden Jahren
bekommen haben und wir nicht in einem einzigen Jahr 4 Tiere vermarkten
wollen (könnten wir zwar, aber dann müssten wir uns mehr Kunden
suchen und das ist mit zusätzlicher Arbeit verbunden), müssen
wir die unliebsame Schlachterei etwas "streuen". Also haben
wir uns denjenigen gegriffen, der am meisten zugelegt hat und das war
eben Titus.
Alles ging ohne Probleme und ohne grosse Aufregung von sich. Rauf auf
den Anhänger, 15 km zum Schlachter gefahren, umgefallen und fertig.
Nicht schön, aber nötig. Mit unserem Schlachter sind wir sehr
zufrieden, sowohl was den Umgang mit dem Tier als auch die Zubereitung
des Fleisches betrifft. Ich hoffe, er bleibt uns noch lange erhalten,
viele kleine Schlachtereien haben mit Verordnungen und Kosten sehr zu
kämpfen, die Entwicklung geht eindeutig zu Grossschlachtereien,
auch wenn von politischer Seite was anderes behauptet wird.
19.2.2003 Schlitzohren und Seidenschwänze
Für
heute waren das erste Mal seit Wochen Plusgerade angesagt. Also zieht
man sich etwas weniger an als in der letzten Zeit und zieht los. Doch
dann stellt man fest, dass es immer noch -4° sind und fragt sich,
wieso man sich nicht ordentlich angezogen hat und friert vor sich hin.
Heute war das kleine Galloway "Schlitzohr" verschwunden. "Schlitzohr"
heisst eigentlich "Tell", aber manchmal nennen wir ihn "Schlitzohr",
weil er sich eine Ohrmarke herausgerissen hatte und einen Schlitz im
Ohr hat, ist doch logisch, oder etwa nicht??
Die Tiere laufen derzeit auf ca. 8 Hektar, aber sind natürlich
immer zusammen, höchstens ein wenig verstreut. Heute standen die
Tiere auf einem Haufen und nach kurzer Übersicht stellte ich fest,
dass eines fehlt. Dann muss man erstmal rauskriegen, wer denn überhaupt
fehlt. Ahaaaa.. Schlitzohr fehlt! Da beruhigte ich mich schnell wieder,
denn der ist schon immer etwas eigensinnig und geht seine eigenen Wege.
Aber dann ging die Sucherei los, bzw. die Wanderung über die 8
Hektar, zur Baumgruppe, zur Senke, zum Stall. Nix da. Und zum Schluss
zum Silageballen - und da lag er einfach dahinter und war einsam und
alleine am Widerkäuen. Ich wollte ihn zu den anderen schicken,
aber er war der Meinung, mit mir Nachlauf um den Silageballen spielen
zu wollen. Naja, lassen wir ihm halt seinen Willen...
Ansonsten stand in der Zeitung, dass Tausende von Seidenschwänzen
(das ist eine Vogelart - falls Ihr die nicht kennt) ihre Heimat Sibirien
wegen der dortigen Schneehöhe und extremen Kälte verlassen
haben und in Norddeutschland eingefallen sind. Selbst in unserem Nachbardorf
wurden schon 15 gesichtet. Dass es diesen Tieren zu ungemütlich
wird in Sibirien und sie sich so weit nach Westen wagen, kommt nur alle
20 Jahre vor - so stand es jedenfalls in der Zeitung.
Nun werde ich die nächsten Tage vorm Fenster sitzen und warten,
bis ein Seidenschwanz vorbeifliegt. Wenn Ihr einen sehen solltet, sagt
mir wo! :-)
24.2.3003 Fledermäuse und anderes Getier
Also in der
Nordheide ist immer noch das schönste Winterwetter, nachts Minusgerade
bis -10° und tagsüber Sonnenschein bis +10°. Da hält
es niemanden im Haus und gestern war halb Hamburg in der Heide spazieren.
Wir waren mit den Pferden unterwegs und haben einen schönen langen
Ritt gemacht. Immer noch gibt es gefrorene Stellen im Wald, wo man aufpassen
muss, dass man nicht ins Rutschen kommt. Aber wunderschön ist es,
um diese Jahreszeit den Wald und die Heide zu geniessen. Die beiden
Pferde sind ausgesprochen kooperativ im Moment, laufen lustig und gerne,
sie spüren schon den Frühling und wenn ich sie von der Weide
in den Stall hole, machen sie ihre Spielchen mit mir und lassen mich
unverschämt weit laufen, um dann im gestreckten Galopp vor mir
wegzurennen - schnurstracks dahin wo sie hinsollen. Den ganzen Winter
über kamen sie immer brav, wenn ich sie gerufen habe und jetzt
machen sie so einen Zirkus!
Krokusse und Schneeglöcken habe ich noch keine gesichtet und auch
keinen Seidenschwanz, dafür aber eine "Langohrfledermaus".
Die hängt nämlich in unserer Scheune in einem Kellerraum rum
und hält dort ihren Winterschlaf. Vorgestern haben wir sie entdeckt
und begutachtet. Da wir in unserer Naturschutzbund-Gruppe einen Fledermausexperten
haben, habe ich ihn angerufen, damit er die Art bestimmt.
Meistens sind es "Breitflügelfledermäuse", die man
in der Gegend rumflattern sind, ein "Langohr" ist schon etwas
seltener. Nur warum das Kerlchen da ganz alleine seinen Winterschlaf
verbringt, wissen wir nicht. Es gibt ja Fledermauswinterquartiere, wo
sie zu Dutzenden überwintern. Solche Quartiere betreuen wir auch
in unserer NABU-Gruppe. Das heisst: sie werden beobachtet, mal wird
auch was gemauert oder gesäubert und umgezogen haben wir auch schon
welche, wenn das Quartier aus irgendwelchen Gründen nicht mehr
fledermausgerecht war - es muss im Winterquartier frostfrei und feucht
sein - manchmal sind es Brunnenschächte oder alte unterirdische
Pumpenhäuser. Bald werden sie aufwachen und ihre Sommerquartiere
aufsuchen, Dachstühle, Kirchen, Scheunen oder alte Gemäuer.
Fledermäuse sind faszinierende Tiere, wenn man sich näher
damit beschäftigt und ganz spannend ist es, wenn wir mit einem
speziellen Gerät die Ultraschalltöne, die sie ausstossen,
hörbar machen. Schade nur, dass vielen Menschen die Fledermäuse
unheimlich sind, denn schliesslich sind sie die fleissigsten Insektenvertilger,
die wir haben.
Unser Fledermausexperte nimmt auch verletzte Fledermäuse auf und
päppelt sie wieder auf. Da konnte ich im Laufe der Jahre schon
die ein oder andere aus der Nähe bestaunen. Aber als Haustier würde
ich mir keine halten, was da wohl Sokki dazu sagen würde??
28.2.2003 Neues von der Fledermaus und von Titus
Die Langohrfledermaus
hängt immer noch, wo sie hängen soll. Aber unser Fledermausexperte
vom NABU hat sich in den Kopf gesetzt, diesen Kellerraum fledermausgerecht
zu gestalten und hat gestern zwei Lycra-Steine (keine Ahnung, ob man
das so schreibt) gebracht, die wir dort unter der Decke anbringen sollen.
Da sind so kleine Ritzen drin und da siedeln sich Fledermäuse gerne
an, dann sind sie etwas versteckt und hängen nicht so einfach an
der platten Wand, wo sie ein gefundenes Fressen für Katze und Marder
sind.
Gestern haben wir das Fleisch von "Titus" unter die Leute
gebracht. Eigentlich haben wir einen festen Kundenstamm, da wir aber
vor kurzem eine Anzeige in der Zeitung hatten, kamen mal ein paar Fremde
dazu. Eine ältere Dame sagte: "Galloways sind doch die, die
nie BSE bekommen?" *ähem* - was soll man denn dazu noch sagen??
Ich hoffe, meine Leser hier würden niemals solche seltsamen Fragen
stellen, denn warum schreibe ich mir hier denn die Finger wund, um die
Welt auch DARÜBER aufzuklären... :-)
Und dann haben wir soviel Fleisch verkauft, dass für uns selbst
nichts übrig blieb. Macht aber nichts, haben wir uns gedacht, zu
viel Fleisch essen ist ohnehin nicht gesund und ein kleines bisschen
haben wir noch vom letzten Mal. So opfern wir uns für unsere Kunden
- sollten die anderen Gallowayzüchter, die hier lesen, auch mal
machen. Ist gut für die Linie und fürs Portemonnaie *hihi*.
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