Rindergeburten im Frühling 2005:

Am 18. März 2005 hat "Lucia" ihr kleines Kuhkalb geboren:

Es konnte nicht gleich aufstehen, die Vorderfusswurzelgelenke waren noch nicht richtig ausgebildet. Das kommt immer wieder mal vor und gibt sich meist nach einigen Stunden, spätestens nach einigen Tagen.
Wir hatten so einen Fall schon einmal, da robbte das Kleine tagelang auf abgeknickten Vorderfüssen durch die Gegend, hat aber trotzdem getrunken. Dann ist alles halb so schlimm.
Das kleine Kuhkalb hat am ersten Tag noch nicht getrunken und wir haben sie wegen ihrer Knickfüsse in den Stall gebracht, um im Notfall eingreifen zu können.

Drei Tage später, am 21. März 2005, passierte folgendes: Wir haben das Kuhkalb mit den noch nicht fertigen Vorderfüssen auf die Weide entlassen, denn es gab Platzprobleme:

Wie die meisten von Euch wissen, züchten wir seit 1989 Galloways und hatten schon eine Menge Geburtsprobleme bei mittlerweile über 70 Kälbern. Man denkt dann immer, man hat schon alles erlebt und es können sich Probleme nur wiederholen. Und in den letzten drei Jahren hatten wir nun gar keine Probleme mehr, sondern nur noch Glückssträhnen. Doch man soll sich nicht im Positiven suhlen, wenn man Tiere züchtet.... es gibt immer was Neues, wie auch die Gallowayzüchter, die hier lesen, alle wissen!!

Ich wollte mich gerade zur Arbeit begeben, als mein Bertram kam und sagte, es läge ein halbtotes Kalb auf der Weide und wir bräuchten den Tierarzt zum Einschläfern. "Sambucca" hatte ihr Kalb geboren und ging dann zum Fressen. Das ist nichts Ungewöhnliches, viele Wildtiere lassen ihre Kälber einige Stunden in Ruhe liegen, um "Feinde" abzulenken und um nicht auf ihre Neugeborenen aufmerksam zu machen. Doch "Sambuccas" neugeborenes Bullenkalb wurde während ihrer Abwesenheit von Krähen angehackt. Die ganze Flanke des Neugeborenen war offen und blutig, ein ca. zwei handtellergrosses Loch gab den Blick auf die Knochen frei. Wir standen dann zu dritt vor diesem Elend und der Tierarzt schüttelte sein weises Haupt. Er sagte, von Lämmern sei dies allgemein bekannt (wie ich auch schon wusste), aber bei Kälbern sei ihm dies völlig fremd, vor allem in unserer Gegend hier. Das arme Tierchen lag mit seiner blutigen Flanke auf der Seite, machte aber sonst einen gesunden Eindruck. Trotzdem: Der Tierarzt hob die Haut an den Rändern des Loches hoch und man konnte bis in die Eingeweide gucken. Ich sagte: "Ich möchte es gerne versuchen" und der Tierarzt meinte, dann müsse er die Seite zunähen, Penicillin geben und das Infektionsrisiko läge bei 90%. Mittlerweile kam "Sambucca", die Mutter, angetrabt und versuchte uns anzugreifen. Am meisten Angst hatte der Tierarzt, wahrscheinlich nicht ohne Grund. Wir zogen das Neugeborene unter dem Zaun durch und der Tierarzt vernähte die Wunde und gab eine Spritze. Dann packten wir den kleinen Bullen in eine Schubkarre und brachten ihn in den Stall, wo wir auch seine Mutter hin schickten. Das klappte alles mehr oder weniger gut... Später gab ich noch die homöopathischen Arnika-Tropfen und Bachblüten-Rescue ... Seine Mutter "Sambucca" holten wir natürlich mit in den Stall. Er wollte natürlich in diesem Zustand nicht trinken, machte aber gar nicht so einen schlechten Eindruck, also zapften wir drei Tage lang Milch ab und gaben ihm aus dem Nuckeleimer zu trinken. Das meiste lief daneben, aber jeweils ein Tässchen haben wir wohl in ihn reinbekommen..

Als der Tierarzt an diesem Morgen um 10.30 Uhr weg war, sah ich schon, dass nun "Lucky" sich zu ihrer Niederkunft bereit machte und mir schwante Fürchterliches. Ich fuhr zur Arbeit und um 14.00 Uhr rief mein Bertram (der zum Glück zu Hause war) an und sagte, dass "Lucky" gerade ihre Zwillinge geboren habe. Ich dachte, ich krieg einen zuviel. Zwillinge sind zwar erstmal putzig für Leute, die keine Ahnung haben, aber Zwillinge sind eigentlich ein Problem: 1. Nimmt die Mutter überhaupt beide an?? 2. Meistens bleibt einer mickrig, denn die Galloways haben in der Regel nicht genug Milch für zwei Nachkömmlinge. Also kam die Zwillingsmutter auch erst einmal in den Stall. Somit hatten wir ein "Kälberlazarett" eröffnet...

Zwei Tage später konnten wir aufatmen. Hier ein Foto von Fräulein Knickfuss:

Da das aber schon viel besser ist als am Freitag, haben wir ihr ihre hässlichen Ohrmarken verpasst und ansonsten sieht sie doch ganz niedlich aus, oder nicht?


Im Stall war nun natürlich ein erhöhter Aufwand erforderlich. Wasser hinbringen, 3x täglich füttern und vor allem den kleinen Bullen, der von den Krähen angehackt wurde, besonders beobachten. Ausserdem musste er noch mit Medikamenten versorgt werden. Drei Tage nach seiner katastrophalen Geburt ist er das erste Mal ohne unsere Hilfe aufgestanden und hat getrunken:

Man kann die Naht an der Seite sehen, sie ist ca. 25 cm lang, von oben nach unten. Bei genauem Hinsehen könnt Ihr auch den Faden sehen. Und hier ein Foto von vorne, eigentlich sieht er mittlerweile ganz "normal" aus:

Und dann die Zwillinge..... hier ein Foto von dem Zweitgeborenen, das uns auch Sorgen machte:


Als es 24 Stunden alt war, hat es auch von alleine getrunken und am zweiten Lebenstag sind die beiden schon ein Herz und eine Seele und nehmen gemeinsam einen Schluck von der Mutterbrust:


Die Zwillinge konnten wir also auch als "geheilt" entlassen. Nur der kleine Bulle macht uns derzeit natürlich noch Sorgen, er kann immer noch eine Infektion bekommen.

Fräulein Knickfuss hat den Namen "Luisa" bekommen.

Die Zwillinge werden wir "Loretta" und "Lorettchen" taufen. Loretta wog kurz nach ihrer Geburt 29 kg und Lorettchen 26 kg. Wenn man dann noch den Geburtskrempel dazurechnet, hat die Kuh mindestens 70 kg Übergewicht mit sich herumgetragen. Das ist mehr, als ich überhaupt auf die Waage bringe *tzzzt*.

Der kleine Bulle soll "Escape" heissen. "Escape" heisst "entkommen", immerhin ist er dem Tod von der Schippe gesprungen. Und was "escape" heisst, sollte auch jeder PC-Nutzer wissen, schliesslich ist es die "Rettungstaste", wenn nix mehr geht.....

Wer es noch nicht weiss: Unsere weiblichen Nachkommen müssen mit "L" anfangen, da wir züchterisch eine "L-Linie" haben. Die männlichen Nachkommen richten sich nach dem Bullen und der letztjährige Deckbulle hiess "Egmond" - was also liegt näher als "Escape"?

Wir erwarten noch ein weiteres Kälbchen und hoffen, dass wenigstens bei diesem alles okay sein wird. Im Moment können wir erstmal aufatmen und mal wieder etwas ruhiger schlafen und etwas mehr essen als die letzten Tage :-)

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Nach einer Woche ging es "Escape" schlechter und wir mussten die Wunde an einer kleinen Stelle öffnen, damit das Wundwasser abfliessen konnte. Solange kein Eiter kommt, ist kein Grund zur Besorgnis, aber er ist doch weitaus schlaffer als seine drei Geschwister. Wir hoffen weiter, dass er es schafft, alles zu überstehen. Hier ein Foto von "Louisa", die nach 14 Tagen immer noch nicht ein ganz richtiges Bein hat, aber es wird täglich besser:

Und hier die Zwillinge, wie sie 10 Tage alt sind und ganz normal über die Weide tollen: