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Das sind unsere beiden Islandpferde: "Hásti"
und "Gerpla" Blick von unserer Terrasse im Mai 2003: und zwei Winterbilder aus 2002/2003 Gerpla ist 20 Jahre alt und Hásti ist 17 Jahre alt. "Gerpla" ist im Alter von 5 Jahren aus Island importiert worden und sollte eine Zuchtstute werden. Sie hat leider ihr erstes Fohlen verloren und wurde dann als Reitpferd an mich verkauft. Vorher lief sie noch die sogenannte FEIF-Prüfung - eine Prüfung speziell für Islandpferde, wo sie 7,9 Punkte erreichte, das ist ganz knapp unter der Bezeichnung "Elitestute". "Hásti", einen Wallach, kauften wir achtjährig nach langer Suche. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und hatte trotz seines jugendlichen Alters schon vier Vorbesitzer. Beide haben also nicht gerade eine "verzärtelte glückliche Pferdekindheit" hinterm Hause hinter sich, wo sie mit Mohrrüben und Leckerlis vollgestopft wurden, sondern beide haben schon einiges erlebt. Nach anfänglichen kleineren Schwierigkeiten sind die beiden heute ein Herz und eine Seele. Eine Menge haben wir in den letzten drei Jahren schon gemeinsam erlebt, aber manch einer mag sich fragen: Was findet man an diesen knuddeligen Kleinpferden, die doch selten so viel Eleganz wie ein "Fury" haben und mit denen man auch "nur" zur Gymnastizierung Dressur reitet und nicht, um Eindruck damit zu machen. Ein Versuch einer Erklärung und eine Liebeserklärung an die Pferde "aus Feuer und Eis" wird also hier folgen: Islandpferde - die Pferde von der Insel aus Feuer und Eis
Aus dem "Dunkel der Zeit, mit erhobenem Haupt, vibrierenden
Nüstern und wirbelnden Hufen" sind die Islandpferde vor 50 Jahren auf
den Kontinent zurückgekommen, den sie vor über 1000 Jahren mit den Wikingerschiffen
in Richtung Island verlassen hatten.
Der Tölt Tölt ist ein Viertakt ohne Schwebephase, bei dem das Pferd abwechselnd ein oder zwei Hufe auf dem Boden hat. Tölt wird vom Arbeitstempo bis zum Renntempo geritten und kann Galoppgeschwindigkeit erreichen. Das Pferd geht bei stolzer Haltung nahezu erschütterungsfrei und ermöglicht dem Reiter ein bequemes, ermüdungsfreies Reiten über lange Strecken. Die Gangart Tölt ist dem Islandpferd angeboren und wird freiwillig angeboten. Sicherlich hat gerade der Tölt ganz besonders zur Beliebtheit des Islandpferdes beigetragen. Wahrscheinlich gibt es für einen Freund dieser Rasse kaum einen größeren Genuß, als auf einem guten Tölter die Natur zu erleben. Der Rennpaß Paß ist eine laterale Gangart mit Flugphase, die nur im Renntempo über kurze Strecken - einige hundert Meter - geritten wird. Das Pferd entfaltet hierbei eine enorme Kraft und Energie und scheint fast zu fliegen. Während der Tölt von jedem Islandpferd beherrscht werden sollte, ist der Rennpaß nicht bei allen genetisch fixiert. Normalerweise wird Paß nur im Renntempo geritten, im langsamen Tempo wird er als fehlerhaft angesehen. Der Charakter Die 1000jährige Reinzucht und die harten Lebensbedingungen auf Island haben ein Pferd hervorgebracht, das auch vom Charakter her ganz besonders ist: Herdenhaltung und freie Bewegung machen Islandpferde auch nach Stehpausen zu freundlichen Reitpartnern, die ihren Besitzer nicht bei Ansicht der ersten Mülltonne in Angst und Schrecken versetzen. Da Islandpferde Gewichtsträger, also für den erwachsenen Reiter sehr geeignet, aber aufgrund ihres guten Charakters ebenso ideale Kinderpferde sind, reitet oft die ganze Familie, ein Hobby, das Naturverbundenheit und Spaß am Reiten fördert und mit Sicherheit immer für Gesprächsstoff sorgt. Begeisterung am Islandpferd ist übrigens hochgradig ansteckend bis ins hohe Alter. Apropos Alter: Auch wenn Sie sich "erst" mit 60 den Kindheitstraum vom Pferde erfüllen können oder Ihre Enkel unbedingt mit Oma oder Opa reiten wollen, sind Isländer ideale Partner. Ebenso, wenn Sie aufgrund von Rückenproblemen Reitverbot erhalten: Der Tölt belastet die Wirbelsäule kaum, und die meisten Ärzte, die mit der Materie töltender Pferde vertraut sind, "genehmigen" Ihnen im Zweifelsfall ein Islandpferd. Islandpferde lebten in Island immer halbwild in großen Herdenverbänden. So entwickelten sich selbstbewußte Tiere mit intaktem Sozialverhalten, die von Geburt an auch mit schwierigstem Gelände fertigwerden mußten - beste Grundlagen für ein Reitpferd, das der harten Arbeit beim Schafabtrieb im Hochland und bei gefährlichen Transporten zu abgelegenen Höfen gewachsen sein mußte. Jedoch darf man die Zucht in Island nicht gar zu romantisch verklärt sehen, denn: Pferde, die sich zur Zucht oder zur Reiterei als ungeeignet erwiesen, kamen und kommen immer noch auf die isländische Speisekarte. Isländer essen hauptsächlich Fisch, Schafs- und Pferdefleisch. Junge Frauen vom Kontinent, die ein Praktikum auf einem isländischen Pferdehof machen, sind häufig entsetzt darüber und kommen enttäuscht zurück. Die Notwendigkeit, sich im Notfall blind aus sein Pferd verlassen zu können, ihm eventuell sein Leben anvertrauen zu müssen, wenn schwere Witterungsumschwünge Furten fast unpassierbar machten, führte zu einer strengen Auslesezucht von Pferden, die bei größter Zuverlässigkeit und bestem Charakter auch schnelle Auffassungsgabe, Stärke und einen unabhängigen Geist bewahrten - wirkliche Partner eben. Diese Eigenschaften legten, neben der Fähigkeit zu tölten, den Grundstein für die heutige Beliebtheit des Islandpferdes: Vom sicheren und nervenstarken, bequem zu reitenden Freizeitpferd bis zum temperamentvollen, leistungsstarken Sportpartner spannt sich der Bogen. Freizeitreiten Im Freizeitbereich, der den weitaus größten Teil einnimmt, werden die Pferde hauptsächlich im Gelände geritten, allein oder in der Gruppe. Wanderritte über mehrere Tage in landschaftlich reizvollen Regionen sind sehr beliebt, ebenso der gemütliche Ausritt am Wochenende. Turniere Wenn auch meistens als Freizeitpferde eingesetzt, beweisen die Islandpferde ihre große Leistungsbereitschaft und Ausstrahlung im Sportbereich auf Turnieren. In spezifischen Prüfungen zeigen die Pferde und Reiter ihre Fähigkeiten in den rassetypischen Gangarten, z.B. in Form von Töltprüfungen oder in Paßrennen, oder auch in den sog. Mehrgangprüfungen, wo neben Tölt und Paß auch die Grundgangarten beurteilt werden. Wie überall, wo es um Geld und Ehre geht, sieht man auf manchen Turnieren unschöne Bilder. Dann degradiert das Pferd zum Sportgerät. Im Training wird mit Gewichtshilfen an den Hufen gearbeitet und auf manch einem Turnier präsentiert sich der so beliebte Freizeitfreund als muskelbepacktes temperamentvolles Energiebündel, auf dessen Rücken sich nicht mehr jeder Mann/Frau unbedingt wohlfühlt. Oft wird das Ursprungszuchtziel des Islandpferdes aus den Augen verloren und man paart für zukünftige Turniererfolge "Temperament x Temperament = Nervenbündel". Das sollte natürlich nicht verallgemeinert werden, manch Turnierreiter hält auch sein Sportpferd vorbildlich. Haltung Sollen die positiven Eigenschaften des Islandpferdes, besonders im Umgang und Charakter, erhalten werden, dürfen wir nicht die jahrhundertealte Haltungsart aus den Augen verlieren. Möchten wir die besonderen Eigenschaften - hierzu gehören auch die hohe Fruchtbarkeit und die Fähigkeit, Fohlen problemlos zur Welt zur bringen - bewahren, sollten die Pferde auch weiterhin in Herden und robust gehalten werden. Dies ist eines der wichtigsten Ziele zur Bewahrung der typischen Eigenschaften. Die artgerechte Haltung von Isländern sollte höchste Priorität haben, und folgende Punkte sollten dabei unbedingt verwirklicht werden: Islandpferde sollen im Herdenverband leben und aufwachsen. Der soziale Kontakt fördert die positiven Charaktereigenschaften. Islandpferde sollen zumindest im Sommer auf großen Wiesen mit Wetterschutz gehalten werden. Bei Reitpferden muß im Zweifelsfall der Weidegang begrenzt werden, da Islandpferde zur Verfettung neigen. Im Winter bietet man einen großen Offenstall mit einem befestigten Paddock oder Auslauf an. Für Reitpferde im Training ist für eine begrenzte Zeit auch die Haltung in einer Offenbox mit konstantem Auslauf ausreichend oder Offenstallhaltung, sie sollten jedoch auch Pferdegesellschaft haben. Fohlen und Jungpferde dürfen niemals einzeln aufgezogen werden. Falls man selbst keine Möglichkeiten hat, bieten viele Betriebe Aufzucht in größeren Populationen an. Die reine Boxenhaltung ist als nicht artgerecht abzulehnen. Nur im Krankheitsfall oder für die Zeit eines Beritts kann sie in Erwägung gezogen werden. Wie alle anderen Pferde sind Isländer 4 mal im Jahr zu entwurmen, Impfungen gegen Tetanus und Pferdegrippe sind üblich. Nichtsdestoweniger verlangt die Robusthaltung eine sehr sorgfältige Haltungshygiene und Kontrolle des Bestandes. Wenn diese Forderungen erfüllt sind, wird man auf lange Zeit Freude und Befriedigung aus dem Reiten eines freundlichen, ausgeglichenen Pferdes bis ins hohe Alter ziehen. Neben dem Reiten wird man sich an der Beobachtung des Verhaltens der einzelnen Pferde in der Herde erfreuen, und man wird vieles über sein eigenes Pferd lernen, was man beim Reiten nicht für möglich hält.
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