Tagebuch vom 1.1.2003 bis 31.1.2003 1.1.2003 Prost Neujahr
Den gestrigen
Eintrag hätte ich mir sparen können, denn wenn die Uhr es
nicht gesagt hätte, hätten wir gar nicht gemerkt, dass es
0.00 Uhrist. Es wurde so wenig geballert wie noch nie, man hat so gut
wie gar nichts gehört und gesehen und insofern war jede Sorge um
die Tiere völlig unberechtigt.
Wir haben bei klarer Sternennacht und -10° Kälte einen zweistündigen
Spaziergang mit den Hunden gemacht und ab und zu am Horizont mal ein
Raketchen gesehen - das wars.
Und nun ist das Neue Jahr schon fast 11 Stunden alt und die Welt sieht
genauso aus wie gestern.... Ich höre nun besser auf mit dem tiefsinnigen
Gerede und wünsche Euch allen ein gutes Neues Jahr!
2.1.2003 Nicht Neues
Sonst kann
ich nichts berichten, es ist ein trüber Novembertag.. ach was,
es ist ja schon Januar... und ich habe mit Feiertagsnachwirkungen zu
kämpfen.
"Alles in der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe
von schönen Tagen" (Goethe).
Macht es alle gut, bis demnächst!
3.1.2003 Schnee in der Nordheide und läufige Hündinnen
Hier ist
nun richtig der Winter eingekehrt, der Schnee liegt zentimeterhoch und
es soll die nächsten Tage weiterschneien. Find ich toll und auch
die Tiere mögen es sehr. Heute morgen haben mich meine beiden Pferde
beinahe über den Haufen gerannt, als ich die Pforte zur Weide aufmachte,
sie haben sich gefreut, endlich mal durch den Schnee zu galoppieren
und nicht immer auf Eis rumzueiern. Sogar die vier Bullen sind quer
durch den Schnee galoppiert, um an ihre Wasserstelle zu kommen, die
sind selten so voller Elan :-)
Trixie ist läufig geworden und hat ihre Depressionen. Ja, das ist
kein Witz, unsere Hündin war gestern - am ersten Tag - richtiggehend
krank, sie wollte nicht raus, nicht fressen und guckte mich zitternd
an. Da ich das aber schon kenne von ihr, habe ich sie erstmal verarztet.
Sie bekommt ihr homöopathisches Konstitutionsmittel (Pulsatilla),
ein paar Rescuetropfen und Chlorophyll-Tabletten. Das letztere, um Ben
abzulenken. Erstaunlicherweise funktioniert das, Chlorophyll (das nehmen
Menschen mit Mundgeruch *hihi*) übertüncht den "lustmachenden"
Geruch der Hündin. Eine Hündin ist drei Wochen lang läufig
und die erste und letzte Woche bekommen wir mit Chlorophyll gut über
die Bühne. Nur in der mittleren Woche, wenn die Hündin in
ihrer "Hochzeit" ist, dann wird es kritisch und wir müssen
die beiden trennen. Irgendwie kriegen wir das immer geregelt und auch
dieses Mal wird es irgendwie funktionieren.
Nachdem ich Trixie jedenfalls gestern mit Homöopathie, Bachblüten
und Chlorophyll vollgestopft habe, ist sie heute ganz normal mit mir
spazierengewesen und hat auch wieder gefressen. Allerdings besteht sie
darauf, in ihrem warmen Körbchen im Hause die Nacht zu verbringen
und nicht im Stall, wo sie sonst schläft. Diesen Willen lasse ich
ihr, ein bisschen will man in diesem Zustand ja "betüttelt"
werden, gell?
5.1.2003 Ladys Lebensgeschichte ist online
Da bleibt
nur der Blick aus dem Fenster in eine tief verschneite Landschaft, wie
wir sie sehr selten hier in der Nordheide haben. Die Sträucher
biegen sich unter der Last des Schnees und ich gehe jetzt besser Schnee
schippen.
Heute habe ich Ladys Lebensgeschichte auf die HP hochgeladen und wünsche
Euch viel Spass beim Lesen -
auch wenn es lang ist, zeigt es doch auch eine Menge über uns,
also frisch ans Werk und gelesen! :-)
7.1.2003 Bittere Kälte und zugefrorene Schläuche
Hallo zusammen,
hier ist es nach wie vor tief verschneit, die Temperaturen haben ziemlich
angezogen, heute morgen waren es -14° vor der Haustür, daher
ist der Schnee etwas "eisig" und von mir aus könnte ruhig
noch etwas mehr Neuschnee fallen...
Die Versorgung der Tiere beansprucht natürlich mehr Zeit bei diesen
Temperaturen, die Ställe müssen entmistet werden, die Wasserstellen
genauestens kontrolliert werden. Z.B. bei den Bullen ist in der letzten
Nacht der Schlauch für die Wasserzufuhr eingefroren. Dann heisst
es: wieder zurück, einen Kessel heisses Wasser geholt und den Kram
langsam aber sicher aufgetaut, bis es wieder sprudelt.
Sie fressen auch mehr bei diesen Temperaturen, weil sie mehr Energie
brauchen, um den Körper aufzuwärmen. Ansonsten sind aber alle
putzmunter. Um die drei "Abteilungen" täglich zu kontrollieren
und zu versorgen, gehen dann schon leicht zwei Stunden drauf, und das
neben all den anderen Arbeiten, die man so hat. Für eine Schlitten-
oder Skitour oder Eislaufen auf zugefrorenen Seen, wie das andere hier
im Dorf zur Zeit pausenlos veranstalten (die Norddeutschen sind nicht
mehr zu bremsen, wenn es hier mal so viel schneit!!), bleibt uns keine
Zeit. Sicher, ab und zu reiten wir und lassen den Schnee unter den Hufen
davonfliegen, und spazierengehen können wir auch (obwohl man das
nicht so viel tut, wenn man ohnehin zwei Stunden täglich draussen
ist), das ist aber auch schon alles. Auf weitere Freizeitbelustigungen
müssen wir dann mangels Zeit verzichten.
Immerhin habe ich mir heute den Spass gegönnt und mit "Gerpla"
zusammen den Christbaum zu ihr auf die Weide gebracht. Die Pferde knabbern
am Christbaum herum und nach circa einer Woche ist nur noch ein Gerippe
übrig. Man darf ihnen nur nicht zu viel Christbäume geben,
das ist dann nicht gesund, aber einer ist schon okay, das machen wir
jedes Jahr so.
Auf der Seite "Nordheide" habe ich Euch ein paar Winterfotos
reingestellt, leider ohne Tiere, das war dem Fotografen zu weit, er
hätte dafür einen Kilometer laufen müssen, denn so weit
wohnt er von uns entfernt *g*.
8.1.2003 Noch mehr Kälte :-)
Heute habe
ich die vier Rehe wiedergesehen, die mal zu fünft waren, wenn Ihr
Euch erinnert! Sie wühlen den Schnee direkt hier am Hof durch und
suchen nach Eicheln. Ob sie wohl schon Hunger leiden? Glaub ich eigentlich
nicht, denn sooooo hohen Schnee haben wir auch wieder nicht. Ich kann
mich jedenfalls beherrschen, ihnen von unserem Heu abzugeben *g*.
Und stellt Euch vor, obwohl wir in der letzten Nacht -17° hatten,
hat unser kleiner süsser Maulwurf einen riesigen braunen Haufen
im Schnee aufgeworfen! Hat irgendjemand behauptet, der könne bei
Frost nicht arbeiten???? Wer das denkt, hat offensichtlich keine Ahnung
von den Anstrengungen, die dieser kleine Kerl unter der Erde leistet.
Er hat meine Hochachtung!
Bei den Bullen und den Pferden ist die Wasserzufuhr nun endgültig
zugefroren (haha, Jens!!!). Bei diesen Temperaturen geht dort nichts
mehr und das heisst: für vier Bullen und zwei Pferde ca. 100 Liter
Wasser am Tag fahren. Ja, sicher, es gibt Tränken, die sind noch
frostsicherer als die unsrige, aber das ist einfach ein Kostenfaktor
- wie oft braucht man das in unseren Breiten? Unsere Tränke funktioniert
bis ca. -12° und das reicht meistens. In den 16 Jahren, wo wir Mutterkuh-
und Pferdehaltung betreiben, waren es ca. 4 Wochen, wo die Pumpe den
Geist aufgegeben hat. Auch jetzt scheint es, als würde es kommendes
Wochenende wieder wärmer werden, d.h. nur noch -2°. Also fahren
wir einige Tage lang Wasser. Das ist unser persönliches Fitnesstraining,
100 Liter Wasser am Tag zu schleppen, aber was tut man nicht alles für
die lieben Tierlein??
Alle Tiere sind putzmunter und leiden kein bisschen unter der trockenen
Kälte, die heute sogar die Sonne hervorgelockt hat.
"Trixie" hat nun schon 8 Tage ihrer Läufigkeit hinter
sich und ich stopfe sie mit noch mehr Chlorophylltabletten voll, was
den Effekt hat, dass "Ben" zwar riecht, das irgendwo was los
ist, aber unseren Kater "Sokki" als Objekt der Begierde ausmacht.
D.h. er riecht was, weiss aber nicht, wo es herkommt *hihi*. Von Sokki
kriegt er eine hinter die Schlappohren, wenn er versucht, ihn zu decken.
Mal sehen, wie lange wir ihn noch "hinhalten" können....
Guckt Euch weiterhin die Winterbilder unter der Rubrik "Nordheide
2002/2003 " an, wenn Ihr wissen wollt, wie es zur Zeit hier aussieht
und vergesst mich nicht, falls ich in der nächsten Nacht erfrieren
sollte, denn es soll bis -22° in der Nordheide werden.
11.1.2003 Nur mal ein Lebenszeichen
Jaja, ich
weiss, ich habe Euch vernachlässigt, aber das liegt nun Einzig
und Alleine daran, dass nun wirklich in den letzten Tagen rein gar nichts
Neues passiert ist. Es ist immer noch kalt, wir fahren immer noch Wasser,
der Maulwurf (der Blödmann!) wirft täglich einen neuen Haufen
im weissen Schnee auf, die Rehe buddeln nach Eicheln, Rinder und Pferde
sind wohlauf, Trixie ist immer noch läufig und wird mit Chlorophyll
voll gestopft und Ben pinkelt derzeit mindestens täglich zweimal
gegen das Buchsbäumchen, das mit einem Schneehäubchen vorm
Haus steht. Lange kann es nicht mehr dauern, bis das Bäumchen eingeht.......
Bis bald und *winke*!
15.1.2003 Frühlingshafte Temperaturen
Seit zwei
Tagen ist Tauwetter, die ganze weisse Pracht ist weg, und die Gummistiefel
erfüllen wieder ihre Dienste. Nun fällt man nicht mehr bei
Glatteis auf den Hintern, sondern kippt sich Hunderte von Litern Wasser
über, das sich auf einer Plastikplane gesammelt hat und dass man
ablaufen lassen wollte...... Wahrscheinlich hätte jemand laut gelacht,
der mich dabei gesehen hätte. Naja, zum Glück tut Wasser nicht
weh. :-)
Einige Ausritte bei Schnee und Eis haben wir gemacht, wunderschön
ist es, im Wald zu reiten, wenn die Zweige sich tief unter der Last
des Schnees beugen und man sich immer ducken muss, wenn man auf dem
Pferd sitzt. Jetzt, wo Matschwetter herrscht, hab ich gar keine Lust
mich auf Gerpla zu schwingen, sondern lasse sie auch stehen.
Den Galloways geht es super, ich werde demnächst für Euch
Ladys Geschichte beenden und ist Euch eigentlich klar, dass ab Anfang
März neue Kälber kommen? Dann gibts wieder was zu erzählen
*hihi*.
Noch was zu "meinem" Forum: Ja, es GÄBE die Möglichkeit,
sich ein anderes Forum zu suchen, das vielleicht (aber nur vielleicht)
besser wäre. Dazu konnte ich mich noch nicht entschliessen, ganz
im Gegenteil, ich überlege ernsthaft, ob ich das Forum nicht gänzlich
lösche. Warum? Es gibt eine Menge Leute, die überhaupt nie
in ein Forum schreiben und die Leute, die in mein Forum schreiben, sind
Menschen, die ich ohnehin auf anderem Weg öfter spreche - sei es
im Chat oder per Mail oder real. Also Ihr seht: Ich mache mir durchaus
Gedanken über das Forum und sehe dies im Moment als Testphase.
Lassen wir es mal so, bis mir was Neues einfällt!
So, das war es für heute, ich schicke liebe Grüsse in alle
Himmelsrichtungen!
19.1.2003 Sokki im Vogelhäuschen
Guten Tag
zusammen!
Ist man mal ein paar Tage nicht da, fallen gleich die Einschaltquoten,
na sowas! Ist wie beim Fernsehen: Hält man die Leute nicht mit
ständig Neuem bei der Stange, wechseln sie das Programm *hihi*.
Naja, ich kanns ja verstehen.
Die Nordheide präsentiert sich heute von ihrer schönsten Seite:
strahlend blauer Himmel, um die 0° und sonntägliche Stille
ringsum.
Sokki, unser Kater, nutzt diese Stille und hat es sich wieder mal im
Vogelhäuschen gemütlich gemacht. Ich werde gleich heimlich
vom Fenster aus einen Tennisball auf das Vogelhäuschen werfen,
da könntet Ihr dann mal sehen, wie schnell eine Katze von 0 auf
100 Stundenkilometer starten kann *grins*.
Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag - vor allem denjenigen,
die heute Geburtstag haben!
21.1.2003 Zwitschernde Vögel und Frühlingsgefühle
Heute sind
tatsächlich +9°, bewölkt, aber trocken und der Frühling
liegt irgendwie in der Luft. Das merkt man nicht nur daran, dass mein
geliebter Maulwurf mich auf Trab hält, indem ich heute fünf
Hügel einebnen musste, sondern auch daran, dass irgendwelche Vögel
in der Gegend rumzwitschern, die ich seit Monaten nicht gehört
habe. Komisch, dabei ist erst der 21. Januar!
Auch merkt man es daran, dass ich lediglich im Winterpullover und ganz
ohne Michelin-männchen-ähnliche Strampelthermoanzüge
vier Stunden draussen war und gar nicht gefroren habe. Erstmal habe
ich ordentlich den Stall bei den Pferden ausgemistet und auf Vordermann
gebracht und dann bin ich seit langer Zeit mal wieder alleine geritten.
Im Winter, wenn es kalt ist, überlegt man sich dreimal, ob man
reitet. Man muss die Stollen reinschrauben und sich stundenlang anziehen
bis zur Bewegungsunfähigkeit. Das macht man nur, wenn es sich wirklich
lohnt, man also längere Runden oder auch zu zweit reitet.
Heute aber war es anders, ruckzuck sass ich auf Gerpla und flott ging
es von dannen, offensichtlich machte es auch ihr richtig Spass. Ben
nutzte den ersten Teich zu einem ausgiebigen Bad - auch daran sieht
man, dass der Frühling sich ankündigt.
Anschliessend wälzte er sich auf dem Weg im Schlamm. Ich habe mich
gefragt, ob das eine neue Wellnessmethode ist... erst schwimmen und
dann schlammsuhlen. Umgekehrt wäre mir lieber gewesen, dann müsste
ich jetzt nicht den Flur putzen :-(
Dann habe ich die Bullen und anschliessend die Kühe inspiziert.
Bei den Bullen dachte ich wieder mal, "Egmont" (der Deckbulle)
habe das Zeitliche gesegnet. Oft liegt er auf der Seite und dreht den
Kopf nach hinten, bewegungslos. Erst wenn man direkt vor ihm steht,
macht er plötzlich die Augen auf und fragt: "Is was?"
Die anderen Galloways machen das eigentlich nie, jedenfalls nicht so
gehäuft und lange. Höchstens die Kälber, die liegen öfter
mal so relaxt da - Mama passt ja schliesslich auf.
Die Mutterkuhherde war am Fressen - was tun sie auch sonst - und "Lady"
habe ich ihre homöopathischen Mohrrüben reingestopft. Übrigens
schafft sie drei Mohrrüben auf einmal, solltet Ihr auch mal probieren
*kicher*.
28.1.2003 Hundespaziergänge und anderes
Hallöchen,
hier stürmt und regnet es, es ist die wahre Pracht und natürlich
gibt es daher nicht viel Neues zu berichten. Wer geht da schon freiwillig
vor die Tür? Ich natürlich!
Musste meine Tierchen versorgen und einen Hundespaziergang machen. Dabei
traf ich "Cleo", die Hundefreundin von "Ben" und
"Trixie", die Ihr auch auf meiner Rubrik "Hunde"
sehen könnt. "Cleo" ist eine liebenswerte stürmische
Nervensäge, dazu riesengross und "Trixie" war froh, als
sie wieder zu Hause im warmen Körbchen war. "Trixie"
ist ein Schönwetterhund, im Gegensatz zu "Ben", dem das
Wetter völlig egal ist, Hauptsache, er kann sich dreckig machen.
Zum Reiten hatte ich keine Lust bei diesem Wetter, dafür war ich
am Wochenende zweimal in der Heide bei schönstem Wetter unterwegs.
Das hatte ich auch zum Auslüften nötig, denn ich habe vier
Nächte hintereinander gefeiert und Euch von daher vernachlässigt.
Dafür habe ich nun heute die Rubrik "Weihnachtliches"
in "Diverses" umbenannt und falls Ihr nichts zu tun habt (ich
denke da an die zahlreichen Besucher, die hier während ihrer Arbeitszeit
reingucken *g*), schaut doch mal rein!!
Bis bald und *winke*!
30.1.2003 Alpenländisches Braunvieh und Chinesen
Es schneit
wie aus Kübeln und viel Neues habe ich nicht zu berichten. Dafür
habe ich heute eine tolle Geschichte gelesen.
Wenn ich bisher im Allgäu, in Österreich oder in der Schweiz
weilte, habe ich mich als "Kuhsachverständige" immer
gefragt, warum da fast überall dieses "Braunvieh" rumläuft,
dass doch so aussieht, als würde es gar nicht so viel Milch geben
wie die schwarz-weissen deutschen "ordentlichen" Milchkühe
mit den riesigen Eutern, die sie kaum noch tragen können. Was aber
nicht heisst, dass mir die braunen Alpenkühe nicht gefallen. Im
Gegenteil, die hochgezüchteten sogenannten "Schwarzbunten"
kommen mir manchmal mehr als technisierte Milchlieferanten denn als
Kühe vor. Aber wieso die "da unten" nicht so verbreitet
sind, habe ich bisher nicht gewusst. Jetzt lasse ich Euch an meinem
geballten Wissen teilhaben, da meine tiefsinnigen Gedanken hier auch
Allgäuer und Schweizer lesen und zudem geht es in erster Linie
ums Essen, ohnehin eins Eurer Lieblingsthemen. Ausserdem ist der folgende
Text nicht nur lehrreich, sondern auch lustig:
---
"Wer im Sommer Kappes klaut, hat im Winter Sauerkraut!"
Diese Weisheit
bringt das Hauptproblem der Menschen in unseren Breiten auf den Punkt.
Überleben konnte und kann bei uns nur, wer in den Jahreszeiten
des Überflusses etwas für schlechte Zeiten aufzubewahren weiss.
Um Nahrungsmittel, einerlei ob pflanzlicher oder tierischer Herkunft,
für längere Zeit vor dem drohenden Verderb zu schützen,
haben sich vor der Erfindung der Tiefkühltruhe und des Weckglases
drei Verfahren besonders bewährt: das Trocknen, das Salzen und
das Fermentieren. Getreidekörner und Nüsse winterhart einzukellern
war nie ein Problem, denn sie enthalten an sich schon wenig Wasser.
Bei etwas feuchterem Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch hat der Zwang
zum Haltbarmachen einige lukullische Spezialitäten entstehen lassen,
wie bei uns das Sauerkraut, die luftgetrocknete Mettwurst, den Rollmops
und die Backpflaumen. Durch die geschickte Kombination aller drei Verfahren
ist es sogar möglich, das Gute der flüssigen Milch zu konservieren.
Das ist Käse.
In Deutschland sind besonders viele Käsereien südwestlich
von München ansässig mit einer Massierung im Allgäu.
Dieses ist nicht von ungefähr so, denn dort wird eine Rinderrasse
gepflegt, deren Milch käsefreundlich, sehr reich an gutem Fett
und Eiweiss ist, nämlich das "Braunvieh".
Die einheitlich graubraun getönten Kühe mit dem hellen Aalstrich
und den Aufhellungen an Bauch und Schenkelinnenseiten sind durch den
weissen Ring ums Flotzmaul herum, ihr Rehmaul, unverwechselbar. Sie
sehen so aus, als hätten sie zu tief in den eigenen Melkeimer geschaut.
Braunvieh grast nicht nur in den deutschen Alpenregionen, sondern auch
in denen Frankreichs, Italiens, Österreichs und der Schweiz. Dort,
im Kanton Schwyz, wo die Wurzeln der Rasse verankert sind, begründeten
sie den Weltruf des Käses mit den grossen Löchern. In die
USA exportiert entwickelten sich die braunen Exilschweizerinnen als
"Brown Swiss" zu wahren Milchgigantinnen. Mit Jahresleitungen
von zehn und mehr Tonnen Milch erfreuten sie die amerikanischen Farmer.
Da sie sich die kostbaren Inhaltsstoffe, wie annähernd vier Prozent
Eiweiss und über 4,5 Prozent Fett aus den alten Käseländern
erhalten haben, können heute die Brown Swiss als einzige Rasse
weltweit den schwarzbunten Holstein Friesian auf dem Milchmarkt Paroli
bieten.
Seit Beginn der siebziger Jahre veredeln Reimporte das braune Vieh der
europäischen Alpenländer so nachhaltig, dass das klassische
Braunvieh inzwischen zur Rarität geworden ist. So eine Klassikerin
war die im Februar 1961 geborene Kuh "Zenta". Im März
1963 gebar sie ihr erstes und im Januar 1980 ihr neunzehntes Kalb. Für
biologistische Zweifler sei nur erwähnt, dass sie ihren Bauern
zweimal mit Zwillingen beglückte. Zwischenzeitlich gab sie immer
kräftig Milch, die sich zu einer Lebensleistung von 124 534 kg
summierte. Während ihres langen Lebens gab sie alljährlich
den Stoff für gut eine Tonne Käse. Sie repräsentierte
par excellence die Vorzüge des Braunviehs: Leistungsfähigkeit,
Gesundheit, Fruchtbarkeit und Langlebigkeit. Die letzte Eigenschaft
erlaubt es dem Züchter, seinen Kühen häufiger einmal
den Seitensprung mit einer Fleischrinderrasse zu gestatten.
Globalisierung, der letzte Schrei der Betriebs-, Volks- und Marktwirtschaft,
ist für das Braunvieh ein alter Hut. Rund um den Globus sichert
es die Versorgung mit Käsesemmeln. In den Alpen haben die manchmal
silbrig schimmernden oder gülden glänzenden Braunen gelernt,
Wind und Wetter zu trotzen. Sie gedeihen unter allen Klimaten, sei es
unter der senkrechten Sonne Afrikas, in den sauerstoffarmen Höhen
der Anden oder auf den vom Blizzard bedrohten Hängen Kanadas. Nur
die Chinesen können den besonderen Qualitäten des Braunviehs
nichts abgewinnen. Sie glauben den Warnungen ihrer Nasen, wenn sie die
Verpackung eines Romadours, Limburgers oder Appenzellers öffnen.
Käse ist und bleibt für sie verfaulte Milch, wobei ihnen die
Erfahrung Recht gibt. Gut zwei Drittel aller Chinesen reagiert auf den
Verzehr von Tilsiter, Edamer oder Emmentaler mit schrecklichen Bauchschmerzen.
Verantwortlich für diese fast regelmässigen Indigestionen
der sonst beim Essen wenig zimperlichen Asiaten sind nicht die das Aroma
gebenden Fettsäuren des Käses, sondern sein Milchzuckergehalt.
Den meisten erwachsenen Chinesen fehlt, vermutlich genetisch bedingt,
die Fähigkeit, diese Lactose zu spalten und zu verdauen. Der resultierende
Durchmarsch vergällt jeden weiteren Appetit auf Käsehäppchen
und behindert die Entwicklung eines florierenden Molkereiwesens im Land
der aufgehenden Sonne.
Diese Besonderheit des Stoffwechsels ist diesseits der chinesischen
Mauer relativ selten und damit ist die Zukunft des Braunviehs, das als
erfolgreichste Käsekuh keine Konkurrenz zu fürchten braucht,
gesichert.
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