Tagebuch vom 1.7.2003 bis 31.7.2003

4.7.2003 Abschied ... bis in Kürze!

Hallo zusammen!
Das Wetter in der Heide ist in den letzten Tagen ziemlich durchwachsen, heute hat es den ganzen Tag geregnet. Unser toller Wasserwagen ist noch nicht zusammengebrochen und alle Tiere sind wohlauf und freuen sich über das kühlere Wetter.

Drum kann ich Euch gar nichts Spannendes berichten, ausser dass nun Indianer in unserer Wiesenlandschaft eingezogen sind:

Sieht gut aus, gell?

Indianer hin oder her, ich fahre morgen für 8 Tage in die Fremde und verabschiede mich hiermit.


15.7.2003 Heimgekehrt...

Hallo, meine lieben Leser, ich bin braungebrannt und bestens erholt wieder eingetroffen, um Euch weiterhin mit meinen Erlebnissen zu erquicken...

Bei wunderbarem Sommerwetter habe ich mich in einer deutschen Mittelgebirgslandschaft aufgehalten und das gemacht, was man im Urlaub halt so macht: Wandern (naja, eher spazierengehen), radfahren (naja, nur einmal, aber immerhin 32 km), Tretbootfahren (naja, hab nur hintendrin gesessen, getreten haben andere), Minigolfspielen (naja, immerhin war ich unter den ersten vier), Schwimmen (naja, immerhin hab ich jedesmal zugeguckt) und Burgen und Türme und Klöster besichtigt. Gegessen habe ich zu viel (2,5 kg zugenommen) und geschlafen habe ich zu wenig, schon um 8.30 Uhr musste ich geschniegelt und gebügelt täglich am Frühstückstisch erscheinen. Und das nur, damit man rechtzeitig zum Nichtstun kommt.

In dieser Gegend war ich:

Bei schönem Wetter kann man eben auch gut in Deutschland Urlaub machen, immerhin versteht man die Sprache (naja, auch nicht immer) und es ist nicht so weit zum Fahren für uns Nordlichter.

Bei schönstem Hochsommerwetter bin ich also wieder zu Hause eingetroffen, musste gleich die braun gewordenen Frühkartoffeln und die vertrockneten Erbsen ernten bzw. pu(h)len. Die Tiere waren gut versorgt und sind alle wohlauf, obwohl Hásti, der Isländer, sich die halbe Mähne abgescheuert hat, er leidet unter den Bremsen. Nun muss ich ihn täglich gewissenhafter mit "Bremsenbremse" behandeln, dann wird das schon wieder. Früher hiessen die Mückenmittel "Autan", heute heissen sie "Bremsenbremse", "Antibrumm" oder "Mückweg". Irgendwie wird die Sprache immer alberner, gell?

Allerdings ist Sokki, unser Kater, seit Samstag verschwunden... heute ist Dienstag. Zwei, drei Tage war er schon öfter mal weg, aber ab morgen wird es langsam komisch. Dann muss ich mich wohl mal auf die Suche machen..

Jaaa, und habt Ihr denn immer mal fleissig ins Storchennest geguckt?? Sind doch irre gross geworden, die Kleinen:


17.7.2003 Ein verschwundener Kater

Leider ist unser Kater, der "Sokki", immer noch nicht aufgetaucht. Gestern abend haben wir die nähere Umgebung abgesucht und wie die Doofen immer "Sokki" und "miezmiezmiez" gerufen.... Langsam beginne ich, mir Sorgen zu machen. Immerhin haben wir ihn schon 8 Jahre und waren in dieser Zeit schon öfter verreist. Ausserdem ist er nie ganz alleine, denn hier auf dem Hof sind ja auch unsere Nachbarn. Habe nun einige Zettel mit Foto entworfen, die ich heute abend auf dem Weg ins Dorf aufhängen will. Vielleicht hat er sich von jemand anfüttern lassen??

Obwohl ich es mir kaum vorstellen konnte, dass hier auf den Bauernhöfen jemand eine Katze ins Auto packt und ins Tierheim bringt, habe ich dennoch im nächst gelegenen Tierheim angerufen. Aber natürlich erfolglos. Immerhin hat die Dame sich die Beschreibung aufgeschrieben, falls sich Sokki dort doch noch einfinden sollte.

Ich hoffe sehr, dass ich irgendwie etwas über seinen Verbleib erfahre, ob tot oder lebendig. Die Vorstellung, dass er vielleicht verletzt irgendwo herumliegt oder womöglich von Fängern mitgenommen wurde, behagt mir ganz und gar nicht. Schickt mal alle gute virtuelle Wellen ~~~ damit er wieder auftaucht!


18.7.2003 Sokki ist wieder da !

So sieht ein Kater aus, der sich sechs Tage lang herumgetrieben hat:

Ja, völlig erschöpft, aber gesund und satt.

Gestern abend habe ich auf dem Weg ins Dorf Suchzettel aufgehängt und heute morgen stand Sokki vor der Tür. Offensichtlich hat er die Zettel gelesen und sich gedacht, dass er ja nun heimkommen könne, da wir uns genug Sorgen gemacht hätten...

Da er kastriert ist, treibt er sich sonst nie so lange herum, höchstens mal zwei Tage. Meine Abwesenheit hat ihn wohl verärgert, typisch Katze!! Konnte ich mich also heute morgen schon wieder auf den Weg machen und die hübsch gestalteten Zettelchen wieder abmachen.... schliesslich hab ich sonst nix zu tun.

Höchstens: Bohnen und Erbsen und Salat und Kartoffeln und Möhren ernten. Feldsalat säen. Erdbeerpflanzen schneiden. Hacken und wässern. Und die Zucchini fangen auch schon an, nach dem Kochtopf zu rufen. Den Tomaten hab ich gesagt, sie sollen noch eine Zeitlang grün bleiben, sonst weiss ich gar nicht, was wir zuerst essen sollen. Nix wie Stress :-)


22.7.2003 Die Heideblüte beginnt

In der letzten Nacht hatten auch wir schwere Gewitter, die uns bisher verschont hatten. Richtig ausgetobt hat es sich aber über Hannover, dort ging es schlimm zu, wir hatten "nur" die Ausläufer. Aber gelangt hat es mir trotzdem. In solchen Nächten schlafe ich schlecht, denn ich mache mir dann Sorgen um die Tiere. In der Regel passiert zwar nichts, aber es KANN etwas passieren. Vor zwei Jahren wurde in Schleswig-Holstein eine Kuhherde vom Blitz erschlagen und im letzten Jahr ebenfalls in Schleswig-Holstein zwölf Islandponys. Das kommt, wenn die Tiere zu dicht am E-Zaun stehen und der Blitzeinschlag auf eines überspringt und sich dann auf die anderen Tiere überträgt. Solche Tiergewitteropfer erfährt der normal Sterbliche gar nicht, aber in der "Tierszene" gehen solche Dinge wie ein Lauffeuer um. Kann man nur hoffen, dass einem selbst so etwas nie passiert....

Und sonst? Sonst wird weiter geschwitzt und dieser ungewöhnliche Sommer in Norddeutschland genossen. Er hat auch zur Folge, dass die Heide bereits jetzt beginnt zu blühen.

Links sieht man die Glockenheide und rechts die Besenheide (Calluna vulgaris). Der Gattungsname "Calluna" wird aus dem Griechischen abgeleitet: kallynein = reinigen, fegen. Hieraus ist der Begriff der „Besenheide“ entstanden, da die Zweige früher vielfach für Besen verwendet wurden. Diese beiden Heidearten sind hier in der Lüneburger Heide zu bewundern. Und NICHT die Erika, wie immer fälschlicherweise angenommen wird. Es gibt nämlich verschiedene Heidekrautgewächse und die Erica carnea (Schneeheide) und die Erica gracillis wachsen zwar kultiviert in den Vorgärten, aber sind nicht diese Pflanzen, die in jedem Jahr hier die Touristen anziehen. Die Blüte ist dieses Jahr nicht nur früher, sondern auch kürzer - Septembertouristen werden also aller Wahrscheinlichkeit nach Pech haben.

Wenn Ihr also die blühende Heide sehen wollt, müsst Ihr Euch so langsam auf den Weg machen *g*.


27.7.2003 Ein beschaulicher Sonntag... ?

Heute sollte es ein beschaulicher Sonntag werden. Um 8.00 Uhr regnete es in Strömen und ich dachte, es sei eine gute Gelegenheit, mich im Nachtgewand mit Kaffee in Ruhe und Frieden an den PC zu setzen. Mein lieber Mann erklärte sich bereit, die morgendlichen Tierarbeiten zu erledigen. Doch was war das? Nach fünf Minuten - ich hatte gerade den ersten Schluck Kaffee genommen - stand er schon wieder in der Tür, warf die Regenjacke von sich und stürzte zum Telefon. Eine Herde Junghengste von der übernächsten Weide war ausgebrochen. Zwei Hengste standen bei unseren Pferden, einer lief auf der Kreisstrasse herum und weitere fünf waren verschwunden. Die Besitzer waren nicht zu erreichen.
Also nix wie in die Klamotten und Arbeitsteilung! Er musste aufs Trabergestüt fahren, wo diese Junghengste hingehören und ich raste zur Weide, um meine Stute zu retten. Gottseidank ist sie zur Zeit nicht rossig und unsere beiden waren auch relativ friedlich zu den aufgeregten Neuankömmlingen, die unseren Zaun beim Reinspringen zerstört hatten. Also habe ich erstmal unsere beiden "gerettet" und sicher in den Stall verfrachtet.
Etliche Zeit später kamen dann drei junge Leute von diesem Gestüt, ziemlich verschlafen. Mein Adrenalinpegel war mittlerweile unerhört in die Höhe gegangen, denn der Zaun bei den Junghengsten ist schon länger nicht in Ordnung. Ich schrie die drei jungen Angestellten an, die kleinlaut murmelten, es sei kein Chef auf dem Gestüt und sie hätten gar keinen Führerschein und müssten jetzt die anderen fünf mit dem Auto suchen.... Das überhörte ich, denn ich dachte nicht im Traum daran, irgendwie zu helfen. Schlimm genug, dass mein sonntäglicher Vormittag im Eimer war und ich bin auf dieses Gestüt ohnehin nicht gut zu sprechen *grummel*. Man lässt es gezielt verlottern und soll demnächst unter den Hammer. Es gehört Charles Grendel, Hamburger Immobilienmakler, Kneipenbesitzer und sogenannter "Hamburger Traberkönig", weil er vor einigen Jahren der Besitzer von "Sea Grove" war, seinerzeit der weltbeste Traberhengst mit Millionenwert. Von der Armutsgrenze ist dieser Herr meilenwert entfernt. Dann mussten wir erstmal unseren Zaun reparieren, wer sollte das sonst tun? Herr Grendel sicher nicht!

Der Vormittag war also gelaufen und mittlerweile die Sonne rausgekommen. Wir hatten einen kleinen Ausflug vor, in Hamburg wird dieses Wochenende "100 Jahre Harley Davidson" gefeiert und es sind 20.000 Harley-Davidson-Motorräder in der Stadt. Nun bin ich zwar kein grosser Motorradfan und ins Getümmel wollte ich mich auch nicht stürzen, aber die Harley Davidson Leute sind schon ein besonderes Völkchen und es war ein Konvoi geplant, quer durch die Stadt, nach Süden über die Elbe, über die Autobahn und wieder zurück zu Stadt. Also haben wir uns südlich der Elbe eine Brücke über die Autobahn ausgeguckt, die wir ansteuern wollten, um uns dieses Spektakel anzusehen. 20.000 Harleys gemeinsam auf der Autobahn.... Bis zu dieser besagten Brücke fahren wir im Normalfall ca. 25 Minuten, also los gings..... bis wir im Stau standen. Wo wollten die nur alle hin?? Zur Ostsee, in Urlaub oder auch Motorräder gucken? Keine Ahnung, jedenfalls verzögerten sich unsere 25 Minuten ziemlich lang und bevor wir die Autobahn verlassen und auf die Brücke konnten, kamen schon alle Motorräder auf der Gegenseite entgegen. Bis wir dann endlich auf der Brücke waren, war schon fast alles vorbei *heulheul*. Wobei übrigens auch die Brücke unter den Leuten, die die gleiche Idee wie wir hatten, fast zusammenbrach *g*.

Also haben wir nicht allzuviel gesehen und da wegen des Konvois die andere Autobahnseite gesperrt war, mussten wir ohnehin eine andere Strecke zurück. Da lag aber ein Elbe-Seitenarm dazwischen, den wir mit einer beschaulichen Fähre überqueren mussten. Beschaulich?? Die Autoschlange kringelte sich um diverse Kurven und ich hätte schwören können, dass wir mit der nächsten Fuhre nicht mitkommen. Ca. 30 Autos fuhren drauf und für uns war kein Platz mehr, aber was war das? Der Fährmann winkte uns und quetschte uns hinten als einziges Fahrzeug auf die Rampe, die dann bei der Abfahrt schräg hoch gefahren wurde und unser armes Auto hing da bedrohlich in der Luft. Blieb nur zu hoffen, dass die Rampe dem Gewicht standhielt, waren doch unsere zwei Wuffis mit hintendrin....

Wenigstens ein Fischbrötchen hab ich noch bekommen, sechs Störche in den Elbauen gesichtet und ein Deichschaf für Euch fotografiert:

Und nun bin ich froh, dass ich nach diesem wahnsinnig erfolgreichen erlebnisreichen Ausflug wieder zu Hause bin *g*.


31.7.2003 Erlebnisse im Alltag

Du staunst, was ich so alles erlebe, Urli? Ich denke, wer mit offenen Augen durchs Leben geht, erlebt so einiges. Geht man morgens eine Stunde in der Natur spazieren, sieht und hört jeder eine Menge. Demjenigen, der sich ins Auto setzt und zur Arbeit fährt (oder verschlafen den Tag am PC verbringt *g*) bleibt sowas natürlich verborgen. Heute morgen z.B. habe ich einen Fuchs gesehen, der über die jetzt abgeernteten Getreidefelder "schnürte". Nur: Ben, mein Rüde, hat ihn leider auch gesehen und eine wilde Jagd über die Stoppelfelder begann. Ben läuft aber dann niemals ausser Sichtweite, sondern dreht rechtzeitig ab und kommt zurück. Währenddessen schaut Trixie, meine Hündin, dem ganzen Treiben interessiert zu und ist der Meinung, man müsse sich nicht unnötig so abhetzen.

Natürlich erlebt man als Tierbesitzer noch eine Menge mehr als "tierlose" Menschen, allerdings ist im Moment nicht viel zu erzählen. Allen Tieren geht es gut, die Kälber wachsen und gedeihen, die Mutterkühe sind mittlerweile wohl alle wieder gedeckt und demnächst werden wir Egmont, den Deckbullen, wohl wieder zu seinen männlichen Kollegen bringen. Ohnehin macht er morgens jetzt immer Lärm, denn jemand hat zwei Hereford-Mutterkühe auf die übernächste Weide gebracht, was er natürlich ausserordentlich interessant findet. Besonders spannend findet er die Damen wohl morgens um 5.00 Uhr, denn das ist die Zeit, wo er im Moment allmorgendlich in der Stille rumbrüllt. Ob dann seine Hormone besonders in Wallung sind??

Und dann gibt es immer Alltagssorgen, die jeder kennt und wo man auch eine Geschichte draus machen kann, z.B. aus meinem Staubsauger.

Den habe ich nämlich vor mittlerweile 8 Tagen zur Generalüberholung geschickt und es hiess, ich habe ihn nach 3 Tagen wieder. Nur leider ist das nicht so. Dafür muss man sich mit dem Callcenter eines Paketdienstes herumgeschlagen (nein, es ist NICHT die Deutsche Post). Wie ich diese Callcenter hasse!!! Erst ist besetzt und dann "wenn Sie dies möchten, sagen Sie 1, wenn Sie das möchten, sagen Sie 2, und wenn Sie jenes möchten, sagen Sie 3" Wenn man sich dann lange genug blöde vorgekommen ist und irgendwelche Zahlen ins Nirwana gebrüllt hat, heisst es: "Im Moment sind alle Plätze besetzt, bitte rufen Sie später wieder an". Wer hat sich nur solch ein System ausgedacht? *grummel*

Mein generalüberholter Luxusstaubsauger wird nämlich seit drei Tagen vom Paketdienst spazierengefahren. Erst war ich nicht da, dann hing ein Zettel an der Tür, wann er wieder kommt. Dann war ich da, aber er nicht. Und dann kam er auch nie wieder. Und der Fahrer ist auch nicht zu erreichen, hat aber das Paket im Auto, wie ich dann über dieses Callcenter herausbekommen habe. Nur hilft mir das nicht wirklich weiter. Ich frage mich, ob ich wohl jemals wieder staubsaugen kann? :-)


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