Renate´s Welt
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Die Geschichte von Samson

Samson war ein außergewöhnlicher Kater. Er wurde in einer Wohngemeinschaft in Hamburg-Altona geboren und hat seine ersten Lebenswochen dort hinter dem Küchenherd verbracht. Darum war er von Anfang an schon sehr menschenbezogen. Wir bekamen ihn zu unserer Hochzeit im Jahre 1987 geschenkt und er war in unserem gemeinsamen Haushalt das erste Haustier. So stand ihm also ein echtes glückliches Katzenleben auf einem Bauernhof bevor. Samson war hellgrau mit einem weissen Latz. Ziemlich früh schon entwickelte er eine ungewöhnliche Anhänglichkeit zu meinem Mann und zu mir. Waren wir zuhause, wich er nicht von unserer Seite. Beim Fernsehen lag er auf oder zwischen uns, er folgte uns wie ein Hund und ging mit uns spazieren. Auch Autofahrten zum Tierarzt erledigte er schnurrend auf meinem Schoss. Irgendwann begann er ernsthaft zu jagen. Er verschonte Vögel und jagte dafür umso mehr Mäuse. Dies war uns ausgesprochen sympathisch, denn vogeljagende Katzen mögen wir beide nicht! Stolz präsentierte er uns immer seine Beute und wir freuten uns mit ihm.
Dann wurde er so langsam geschlechtsreif und entwickelte sich zu einem ausgewachsenen Kater. Die Frage der Kastration sollte uns die nächsten Jahre beschäftigen, ich als Tierschützerin war natürlich dafür, aber mein Mann stellte sich strikt dagegen. Das lag unter anderem wohl daran, daß Samson sich zum Alleinherrscher in unserem Dorf entwickelte. Er war ständig in Katerkämpfe verwickelt - obwohl der Weg ins Dorf 1 km beträgt, hinderte es ihn nicht daran, seine Herrschaft im Umkreis von mehreren km zu verteidigen. Das führte nun dazu, daß er häufig verschwunden war, oft ein oder zwei Tage lang. Wenn er dann wieder auftauchte - meistens schmutzig und verletzt - verlangte er nach Streicheleinheiten und zu fressen! Ich machte mir immer öfter Sorgen um ihn, denn ich fühlte mich schon fast wie die Notaufnahme, aber mein Mann war stolz auf ihn, denn Samson war ein selbstbewußter Kämpfer. Nach einigen Jahren war sein Kopf völlig vernarbt von den Kämpfen und seinen Schwanz hatte er nicht mehr, denn wir mußten ihn nach einer schweren Verletzung amputieren lassen. So war er natürlich auch von jedem Menschen als UNSER SAMSON zu erkennen, denn ein schwanzloser Kater war einmalig im Dorf.
Manches Mal suchten wir ihn im Dorf. Wenn wir ihn dort riefen, kam er in aller Regel und beschwerte sich, daß wir ihn erst nach einigen Tagen aufsuchten und heimholten.
Aber eines Tages suchten wir ihn vergeblich. Er war wohl wirklich verschwunden. Wir waren traurig, denn wir hatten ihn sehr ins Herz geschlossen. Nach zwei Wochen gewöhnten wir uns an den Gedanken, daß er tot ist. Es ging auf Weihnachten zu und wir sollten wohl Weihnachten ohne unseren Lieblingskater verbringen.... Aber dann am 23.12.: ein Anruf eines Dorfbewohners. Er habe einen halbtoten schwanzlosen Kater auf seinem Heuboden gefunden, ob das vielleicht unserer sei, fragte der Bauer. Wir fuhren sofort hin, kletterten die Leiter zum Heuboden hinauf und miauend begrüßte uns Samson, als wenn er sagen wollte: Da seid Ihr ja endlich! Er lag da und konnte sich nicht bewegen. Auf der Fahrt zum Tierarzt dachten wir: das war es dann wohl endgültig! Aber weit gefehlt... der Tierarzt diagnostizierte: Bruch des rechten Hüftgelenkes, wahrscheinlich Autounfall. Er meinte, das wächst sich wieder zurecht bei einer Katze, wir sollten ihn einfach pflegen und abwarten. Das glaubten wir zwar nicht, aber das Weihnachtsfest verbrachten wir mit Katzenpflege. Jedoch: der Tierarzt sollte recht behalten. Nach wenigen Wochen war Samson wieder fit und ging wieder auf die Pirsch, um sein Revier zu verteidigen.
So ging es noch einige Jahre, bis er ernsthaft erkrankte und einen Tumor in der Bauchhöhle bekam - er war acht Jahre alt und das ist für einen nicht kastrierten Kater, der sein Katerleben voll ausleben darf, ein hohes Alter! Wieder war es um die Weihnachtszeit und dieses war ein trauriges Fest, denn es war ein langsames Sterben. Die Entscheidung, wann es Zeit ist, ein Tier einschläfern zu lassen, ist eine schwierige! Obwohl er nichts mehr fraß, lag er schnurrend auf unserem Schoß. Zwischen Weihnachten und Silvester ließen wir ihn bei uns zuhause auf dem Wohnzimmertisch einschläfern. Er hat ein kleines Grab in unserem Wäldchen bekommen - in seinem eigenen Revier, wo sich mittlerweile nach 15 Jahren Tierhaltung ein kleiner Friedhof angesiedelt hat.
Ein nicht vergängliches Andenken haben wir an ihn: Eines Tages wurde der Radweg neu asphaltiert und wer lief den ganzen Weg vom Dorf zu uns auf dem noch nicht getrockneten Belag? Unser Samson natürlich! Dort hat er sich verewigt und heute denke ich noch an ihn, wenn ich die Katzenpfotenabdrücke auf dem Radweg sehe.
Natürlich gibt es einige Nachkommen von ihm hier in der Gegend und im Frühjahr nach seinem Tode - das ist nun auch schon sieben Jahre her - rief uns jemand aus der Nachbarschaft an. Ihr sei ein Kater zugelaufen, der sehe so aus wie unser Samson, habe aber einen Schwanz und sei kastriert. Ob wir den wohl aufnehmen wollten? Das taten wir und "Sokki" ist wahrscheinlich ein Sohn von Samson, aber doch sehr anders im Verhalten. Er ist nicht so anhänglich, schläft oft draussen, ist zufrieden, wenn er von irgend jemand sein Futter bekommt und - fängt leider nicht nur Mäuse, sondern auch Vögel.

Samson war eben einmalig und von ihm habe ich keine digitalen Fotos, dafür aber von Sokki. Da aber Samson genauso aussah wie Sokki - nur ohne Schwanz - ist das nicht so wichtig.
"Sokki" schreibt sich übrigens mit zwei kk, das ist nämlich eine isländischer Name und heisst auf Deutsch: Socke !! *hihi* 

Hier ist im Winter sein Lieblingsplatz:

und hier ist sein Lieblingsplatz im Frühling (klick mal drauf!):