Februar 2004 - Winterreise nach Amrum
Das
wunderschöne Wetter wollte genutzt werden und so beschlossen einige andere
Frauen und ich, einige Tage auf Amrum zu verbringen. Ich kenne Amrum zu allen
Jahreszeiten und am schönsten finde ich die Insel im Winter, wenn das Wetter
schön ist. Auch im Sommer hat sie ihren Reiz, aber auch wenn sich die vielen
Touristen auf dem riesigen Sandstrand verlaufen, ist es mir dann dort meist
zu touristisch.
Amrum ist die drittgrösste der sogenannten "westfriesischen Inseln" und liegt mitten im Wattenmeer. Die grösste von den drei Inseln ist Sylt, auch ein herrliches Fleckchen Erde, aber zu viel "Schickimicki" für meinen Geschmack. Föhr, die zweitgrösste Insel, ist das klassische Familien- und Radfahrerparadies. Auf Amrum aber finden sich die Menschen, die Ruhe und Erholung suchen, die gerne wandern und die Seele baumeln lassen.
Und
nochmals ein Hinweis zum wiederholten Male (vor allem für meine Mitreisenden):
Immer schön auf die Bilder draufklicken, dann werden sie schööööön
groooosss!
Abfahrt von Dagebüll:
Blick auf die Halligen am Horizont:
Blick auf Föhr, diese Insel liegt auf dem Weg nach Amrum:
Die typischen Friesenhäuser auf Amrum:
Strandspaziergang auf Kniepsand, so ab 16.30 Uhr bis zum Sonnenuntergang:
Wir
nähern uns unserem Ziel, der Strandburg unseres Hausherrn. Wir nächtigen
nämlich bei einem berühmten Amrumer Künstler, Otfried Schwarz,
genannt "Panscho". Er lebt zeitweise in Berlin und zeitweise auf Amrum.
In Berlin schafft er "Kunst am Bau", er bemalt Gebäudefassaden
und verschönert das Stadtbild. Skulpturen und Portraits, Ölgemälde
und Plastiken entspringen seiner Künstlerhand. In seinem Haus auf Amrum
am Nebeler Wattenmeer sieht man, wie vielgestaltig die Schaffenskraft des Künstlers
Panscho ist. Sein Haus ist voller Bilder, Plastiken und Skulpturen,
die Zimmerwände weisen auf die breite künstlerische Aussagekraft des
Hausbewohners hin. Großflächige farbige geometrische Formen lassen
an Andy Warhol erinnern. Leuchtende Blumen- oder Landschaften deuten auf Emil
Nolde hin, dem sich "Panscho" in der Tat sehr verbunden fühlt,
lebte er doch einige Zeit in Noldes Berliner Atelier.
Brunnen wurden von ihm ebenso geschaffen wie farbige Schwimmbadwände, auch
auf Amrum sind Swimmingpools von ihm verschönert worden. Marmorblöcke
mit einer Plastik darauf und Skulpturen aus Zahnpulver, das wie Knetmasse geformt
und später steinhart wird, sind Werke des Amrum-Berliner Künstlers.
Nun seht
Ihr auf den folgenden Fotos aber nicht unsere Amrumer Wohnstatt, sondern eines
seiner Kunstwerke, er baut nämlich auch Strandburgen aus Treibgut und angeschwemmten
Materialien. Wind, Sand und Wellen machen das jeweilige Haus irgendwann kaputt.
Das stört "Panscho" nicht weiter, sondern er baut dann einfach
ein Neues. Eines dieser Strandhäuser wurde, bevor es von der Natur wieder
zerstört wurde, nach Hamburg ins Altonaer Museum gebracht.
An
diesem interessanten Ort hielten wir uns auf, während die Sonne mehr und
mehr im Meer versank:
Die
folgenden beiden Fotos sind nicht irgendwie bearbeitet, sondern das war tatsächlich
der Blick nach Osten, also zur wasserabgewandten Seite über den Sandstrand
in Richtung Dünen. Der Himmel bot in alle Richtungen ein prächtiges
Farbenspiel und wir konnten uns kaum losreissen. Und wie man sieht, konnte ich
mich auch kaum von der Kamera losreissen :-)
Hier auf dem linken Foto ein Blick aus unserem Fenster ins Wattenmeer und auf der rechten Seite unsere Künstlerpension aus der Ferne:
Noch einige schnuckelige Friesenhäuser:
Auf
dem linken Foto sieht man keinen Schaum, sondern Eis, das sich an der Küste
gesammelt hat.. und Wildgänse, die durch den stahlblauen Himmel fliegen...
oder grasen...
Dünenwanderung..
und schon wieder blauer Himmel!
Wer bis hierhin durchgehalten hat, bekommt eine Überraschung, nämlich ein Foto, wo ich auch drauf bin :-)
Am 21. Februar ist
der St. Petri Tag, ein klassischer Tag, um den Winter auszutreiben. Dies feiern
die Menschen auf den westfriesischen Inseln mit dem Abbrennen der "Biike-Feuer"
(Sylter Friesisch "Biike" = Feuerzeichen).
Hoch aufgerichtete
Reisighaufen lodern auf den Inseln an den Stränden und den Halligen. Einst
verabschiedeten sich hierauf die zum Walfang fortziehenden Seefahrer von ihren
Familien und der Heimat.
Der Ursprung für die Feuer liegt in heidnischer Zeit, als die grossen Feuer
zu Ehren Wotans, und zur Vertreibung der Dämonen des Winters entzündet
wurden.
Heutzutage ist es jedoch die Gelegenheit zum "Klönschnack" -
wie im hohen Norden der Smalltalk genannt wird - um sich mit guter Laune am
Feuer zu treffen und daraufhin am alljährlichen Grünkohlessen teilhaben
zu können.
Danach
ging es auch für uns in eine Gaststätte, wo wir in geselliger Runde
den Abend ausklingen liessen. Aber die Fotos von diesem Abend veröffentlichen
wir besser nicht im Internet *kicher*.
So, das wars, ich hoffe, Ihr hattet Freude an den Fotos und guckt bei Gelegenheit
mal wieder in mein Tagebuch auf der Eingangsseite.
November 2003 - Ein Tagesausflug nach Fehmarn
Wir fahren gerne im Winter immer mal nach Fehmarn, denn die Insel ist von uns aus in anderthalb Stunden zu erreichen. Noch mehr liebe ich Amrum, eine Nordseeinsel, aber Fehmarn hat den Vorteil, dass dort die sogenannte "Fehmarnsundbrücke" hinführt, das bedeutet, man muss kein Geld für eine Fähre bezahlen, was sich natürlich bei einem Tagesausflug im Geldbeutel bemerkbar macht. Früher kannten wir mal ein beschauliches Frühstückscafe in einem kleinen Hafen, seit zwei Jahren hat es nun geschlossen und bei unserem letzten Besuch hatten wir nicht viel Glück mit dem Frühstück. Also haben wir am Samstag noch schnell im Internet geguckt und ein vielversprechendes kleines Hotel gefunden, wo wir anriefen und fragten, ob wir dort am Sonntag um 9.00 Uhr frühstücken können. Nun ja, eigentlich nicht, weil es eben keine Gaststätte sei. Aber sie würden eine Ausnahme machen und wir sollten gerne kommen.
Morgens dann hier zu Hause das Gehetze: Tiere versorgen im Halbdunkel und dann los auf die Autobahn. Fast pünktlich kamen wir in diesem netten Hotel an und bekamen einen Zimmerschlüssel für das sogenannte "Kapitänszimmer" in die Hand gedrückt... häää? Ja, die nette Dame sagte, wir müssten für eine Stunde ein Zimmer mieten, so wollen es die deutschen Gesetze, wenn wir in einem Etablissement ohne Gaststättenkonzession frühstücken möchten. Oho... sollen wir das etwa bezahlen??? Nein, nein, nur 10 EUR fürs Frühstücken, aber falls eine Kontrolle käme, sollten wir den Schlüssel vorzeigen können. Was es nicht alles gibt!!! Nun weiss ich jedenfalls, woher der Name "Stundenhotel" kommt *g*. Nach unserem ausgiebigen Frühstück in der maritimen Gaststube haben wir immerhin noch "unser" Zimmer besichtigt. Es hatte ein Wasserbett (!) und fast hätten wir uns gleich reingelegt, aber wir wollten ja eigentlich einen Strandspaziergang machen, also los in den Nordwesten der Insel, wo wir früher auch schon mal waren.
Fehmarn misst 16 x 13 km und hat 78 km Küstenlinie, davon sind wir ca. 12 km gelaufen. So sah es da aus, das Wetter war etwas trübe, aber immerhin relativ warm und ohne allzuviel Wind:

Wie man sieht, menschenleer! Im Sommer liegt hier ein sonnenhungriger Urlauber neben dem anderen und mit den Hunden kann man dann natürlich nicht so schön laufen wie jetzt.
Wieso hab ich eigentlich die Hunde nicht fotografiert? Naja, die waren mir einfach zu schnell, die haben nämlich dauernd Kaninchen gejagt, die zu Hunderten da herumhoppelten.
Als wir genug Frischluft getankt hatten, ging es ins Fehmarner Meeresaquarium, wo man leider kein Blitzlicht verwenden darf, sonst hätte ich die Haie gerne für Euch fotografiert, die da rumschwammen. Auch in der Ostsee gibt es natürlich Haie, die sind aber relativ harmlos. Aber in diesem Meeresaquarium gab es auch die grossen Haie aus tropischen Gewässern. Man kann dort durch einen sogenannten Haitunnel laufen, also man läuft da praktisch durch das Aquarium der Haie durch, sehr spannend!
Wusstet Ihr übrigens, dass 150 Menschen jährlich weltweit durch Haie zu Tode kommen? Wobei der Hai an sich nicht böse ist, er verwechselt den Mensch nur manchmal mit einem grossen Fisch *g*. Man muss aber auch wissen, dass wesentlich mehr Menschen jährlich durch Bienenstiche oder Schlangenbisse sterben. Und ca. 300 Menschen sterben jährlich durch Kokosnüsse, die ihnen auf den Kopf fallen. Aber diese Todesart ist bei uns nicht so sehr verbreitet.
Wie gesagt, die Haie waren zu dämmerig, da konnte ich nicht fotografieren, aber ich habe Euch noch drei andere Aquarienbewohner fotografiert, hier der Nashornfisch (keine Ahnung, ob der wirklich so heisst...)

und hier Meister Griesgram:

Aber etwas Schönes hab ich auch noch:

Abends nach der Rückfahrt war ich todmüde und hatte wohl sowas wie einen Frischluftschock, jedenfalls war mir nur noch nach meinem Bett...
September
2003 - Eine
Kurzreise in den Harz
Wir
weilten zwei Wandertage im Harz und zwar ganz am östlichen Rande, da wo
Thale und Quedlinburg liegen. In Thale ist der berühmte Hexentanzplatz
und eben nicht auf dem Blocksberg im westlichen Harz, wie jeder meint. Das kommt
so:
Der Hexentanzplatz war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein altsächsischer
germanischer Kultort, an dem vor allem in der Nacht zum 1. Mai - der Walpurgisnacht
- Rituale abgehalten wurden. Die Sachsen kamen nachts zu ihrer alten Kultstätte,
um dort ihre heidnischen Bräuche weiter
zu pflegen. Sie haben die von Karl d. Grossen aufgestellten Wachen überlistet,
indem sie sich mit Besen und Heugabeln bewaffneten, verkleideten und die Gesichter
schwärzten. Zu Tode erschreckt, flohen die christlichen Wächter und
erzählten fortan vom schaurigen Treiben der angeblichen Hexen und Teufel.
Lange Zeit blieb es ein Ort, an dem heimlich alten heidnischen Glaubensvorstellungen
und Bräuchen nachgegangen wurde. Und das bis in die moderneren Zeiten.
Als dann die Ost-Westgrenze zum Eisernen Vorhang wurde, mussten die Westdeutschen
sehen, wo sie nun ihre Walpurgisnacht feiern. Also wurde der Blocksberg auf
der westdeutschen Seite ausgeguckt, wo nun alljährlich grosse Feiern in
der Nacht zum 1. Mai steigen. Und dann kam die Wiedervereinigung und damit wurde
der Zugang wieder frei zum eigentlichen Hexentanzplatz in Ostdeutschland.
Aber auf der westdeutschen Seite wollte man sich diesen touristischen Zirkus
nun auch nicht mehr entgehen lassen und so kommt es, dass es nun im Harz zwei
Orte gibt, an denen angeblich die "richtige" Walpurgisnacht stattfindet,
nämlich im Ostharz und im Westharz.... Auch ein Opfer der deutsch-deutschen
Verwicklungen. Jeder beansprucht diese Geschichte für sich und drum ist
meine Geschichte hier besser ohne Gewähr :-)
Der
Hexentanzplatz liegt in der Nähe von http://www.thale.de
und sieht so aus:

Also
ziemlich touristisch.. dort blieben wir auch nicht lange.
Wir kamen am späten Vormittag dort an und wollten frühstücken.
In einem Café fragten wir, ob es Frühstück gäbe. Ja, eigentlich
wäre schon Mittagszeit (da wird um 11.00 Uhr Mittag gegessen), aber sie
würde es wieder rausholen. Okay, ich war der Annahme, es handele sich um
ein einfaches Frühstück, so mit etwas Wurst und Käse und Honig
und Marmelade und sagte: "Die Wurst können Sie weglassen"
Sie sagte: "Wurst? Wir haben nur Wurst!"
Ich sagte:"Wieso haben Sie nur Wurst?"
Sie nahm demonstrativ ein kleine Tafel in die Hand, hielt sie hoch und da stand:
"Frühstücksangebot: 1 Pott Kaffee, 2 belegte halbe Brötchen,
1 Ei = 3,20 EUR"
Ich sagte: "Ja, aber womit sind die Brötchen denn belegt?"
Sie sagte: "Mit Wurst oder Käse natürlich!"
Ich sagte: "Naja, dann machen sie uns eben zwei halbe Käsebrötchen!"
Sie sagte: "Das lässt sich machen".
Oh weia, dachte ich, wo bin ich hier nur wieder hingeraten? Wobei ich damit
nichts gegen die Ostdeutschen sagen will, dafür fahr ich oft genug hin,
um zu wissen, dass es da auch nette Leute gibt. Aber es gibt in ganz Deutschland
immer wieder Landstriche, da denkt man, man sei im Busch. Und der Ostharz gehört
ganz sicher dazu.
Könnt Ihr Euch vorstellen, dass man dort noch ein Zimmer mit Frühstück
für 13 EUR bekommt? Also kein Wunder, dass man dort meint, Käse sei
eben Wurst :-)
Wir machten uns dann auf zu einer Wanderung in eine Gegend, wo man sich am besten
überhaupt gar nicht bewegt, wie auf dem folgenden Bild zu sehen ist:

Es ist das Gebiet, wo man den Luchs wieder ausgewildert hat, begegnet ist uns aber keiner. Dort machten wir eine ca. 10 km lange Wanderung mit 400 Meter Höhenunterschieden, für uns Flachlandbewohner schon eine starke Leistung. Im Ostharz gibt es tatsächlich Schluchten, Wasserfälle und Felsen. Es ist immerhin das höchste Gebirge in Norddeutschland. Hier einige Eindrücke, zum Vergrössern müsst Ihr die Fotos anklicken. Auf dem vierten Bild sieht man im Hintergrund den "grossen Brocken", mit 1.142 Meter der höchste Berg im Harz.
In der Touristinformation haben sie sich auch nicht gerade um unsere Gunst gerissen, immerhin haben wir uns mit Prospekten eingedeckt und gleich ein Hotel ausgeguckt, wo wir gerne übernachten wollten. Vier Kilometer rumpelten wir quer durch den Wald über einen Feldweg, um zum Forsthaus Georgshöhe zu gelangen, das einen recht komfortablen Eindruck machte. Und siehe da... ein Zimmer war frei, die Hunde wieder mal kein Problem, wir haben damit immer Glück. Die Georgshöhe liegt direkt am Rande des Harzes und solch eine Aussicht hatten wir vom Zimmer aus (das ist ein Blick in die dort beginnende norddeutsche Tiefebene, Richtung Braunschweig):
Dieses Forsthaus bietet für passionierte Jäger auch geführte Jagdtouren in den Harz an, insofern war alles etwas "jägermässig" eingerichtet. Tote Tiere, die überm Esstisch hängen, sind nicht so ganz meine Sache.... ganz abgesehen davon, dass es keine grösseren Staubfänger gibt als ausgestopfte Tiere. Das Grösste war jedoch ein Foto aus einem Schlachthaus, wo ein Jäger stolz vor seinem gerade aufgeschlitzten Wildschwein steht. In meinen Augen sind das schon komische Leute, die Jäger. Würde ich auf die Idee kommen, mir ein Foto von einem halben toten Galloway in den Flur zu hängen? Wohl kaum.
Nun,
sonst waren es aber nette Leute und das Lustigste war, dass plötzlich jemand
am Balkon stand und unseren Namen rief..zwei Gäste aus unserem Heimatdorf
waren da anwesend!! Und das ganz zufällig, auch ganz spontan. Da fährt
man über 3 Stunden durch Norddeutschland und trifft jemand aus unserem
kleinen Dorf hier, der Abend war natürlich "gerettet".
Am nächsten Tag machten wir eine Busfahrt von 40 Minuten, um diesen Weg
dann durch die sogenannte Bodetalschlucht zurückzulaufen. Ausgeschildert
war das mit: "10 km beschwerliche Wegstrecke". Gefühlt waren
es 16 km sehr beschwerliche Wegstrecke". Aber immer wieder mit atemberaubenden
Blicken auf Felsen, Wasserfälle und Schluchten. Ich hätte nicht gedacht,
dass es im Harz so etwas gibt, auf der westlichen Seite kenne ich den Harz wesentlich
lieblicher. Meine Füsse hätte ich anschliessend am liebsten weggeschmissen,
denn die Wege waren sehr steinig und felsig, ein mühsames Laufen. "Ben"
und "Trixie" waren munter wie immer, aber seitdem wir wieder zu Hause
sind, schlafen sie ununterbrochen. Wenn ich doch nur Hund wäre. Die können
locker zig Kilometer laufen und dann schlafen sie halt mehrere Tage. Erstaunlich....
wäre auch was für mich, 3 Tage durchmachen und dann 1 Woche schlafen..
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